Auch 2019 keine Veröffentlichung der Nitratwerte in Ostrach?

Da der Bürgermeister der Gemeinde Ostrach auf meine E-Mail vom 17. 10. 2018 nicht geantwortet hat und somit erneut ein „beredtes Zeugnis“ abgibt, was er unter Demokratie versteht, sah ich mich gezwungen, das Landratsamt als Rechtsaufsichtbehörde über den Sachverhalt zu informieren.
Es ging einerseits um die Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses vom 01. 06. 2017: „Der Gemeinderat stimmt dem Antrag von GR Schmitt auf die regelmäßige Anforderung und Veröffentlichung der Daten der Trinkwasseranalyse einstimmig zu.“
Andererseits um eine Auskunft nach dem Umweltinformationsgesetz, das jedem Bürger den freien Zugang zu Umweltinformationen – hier die Nitratwerte des Grundwassers – garantiert.
Am 19. 11. 2018 habe ich die Aufsichtsbehörde über den Sachverhalt informiert. Das Schreiben an die Landrätin kann über diesen Link eingesehen werden.

Am 21. 12. 2018 habe ich die folgende E-Mail von der Rechtsaufsicht erhalten. Sie wird hier vollständig wiedergegeben.
Meine Antwort vom 27. 12. 2018 erfolgt im Anschluss.

Sehr geehrter Herr Schreijäg,
Sie haben sich mit Ihrem E-Mail vom 19.11.2018 wegen der Nichtveröffentlichungen der Grundwasserdaten auf der Homepage der Gemeinde Ostrach an Frau Landrätin Bürkle gewandt.  Frau Landrätin Bürkle hat mich mit der Prüfung Ihres Anliegens beauftragt und mich gebeten Ihnen zu antworten. Als Ergebnis kann ich Ihnen mitteilen, dass sich der Gemeinderatsbeschluss vom 01.06.2017 auf das zukünftige Bauvorhaben Milchviehpark mit 1.000 Kühen bezogen hat. Wie der Fachbereich Umwelt mitgeteilt hat, ist geplant, dass vor dem Bau des Milchviehparks eine erste Messung, eine sogenannte Nullmessung, vorgenommen wird. Das vierteljährliche Monitoring erfolgt dann erst nach der baulichen Herstellung des Milchviehparks, sowie dessen Inbetriebnahme. Die bisher erfolgte Veröffentlichungen der Wasserdaten auf der Homepage und im Mitteilungsblatt der Gemeinde Ostrach erfolgten bisher auf freiwilliger Basis, und beziehen sich nicht auf den verpflichteten Gemeinderatsbeschluss vom 01.06.2018. Wir haben die Gemeinde Ostrach darauf hingewiesen, dass sie nach der Inbetriebnahme des Milchviehparks die vierteljährigen Kontrolluntersuchungen durch ein anerkanntes Institut durchführen lassen und die Daten sogleich auf der Homepage der Gemeinde Ostrach und im Mitteilungsblatt veröffentlichen muss.
Ich wünsche Ihnen ein friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2019.
Mit freundlichem Gruß


Sehr geehrter Herr …,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 21. 12. 2018.
Bedauerlicherweise gehen Sie aber nur z. T. auf meine Beschwerde ein. Ich habe Ihnen u. a. den folgenden Sachverhalt mitgeteilt: „Dass mir eine Auskunft nach Umweltinformationsgesetz § 3 verweigert wird, obwohl es sich bei der Gemeindeverwaltung um eine informationspflichtige Stelle handelt, scheint ein Einschreiten der Rechtsaufsicht in hohem Maße zu rechtfertigen. Zum wiederholten Male wird mir als Bürger von Seiten des Bürgermeisters der Gemeinde Ostrach die Auskunft verweigert…“. Darauf gehen Sie in Ihrem Schreiben nicht ein.
Ich habe den Bürgermeister der Gemeinde Ostrach mit E-Mail vom 17. 10. 2018 gebeten, mir gemäß Umweltinformationsgesetz die jüngsten Analysedaten des Rohwassers auf Nitrat per E-Mail zukommen zu lassen.
Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg räumt den Bürgern des Landes ausdrücklich den Zugang zu Umweltinformationen ein: „In Baden-Württemberg finden sich die landesspezifischen Regelungen seit dem 1. Januar 2015 gebündelt im Umweltverwaltungsgesetz (UVwG). Nach §§ 22 ff UVwG haben interessierte Bürger das Recht, bei informationspflichtigen Stellen den Zugang zu Umweltinformationen zu verlangen.“ Das Umweltverwaltungsgesetz enthält textidentisch das von mir zitierte UIG in der Fassung vom 27. 10. 2014. [Quelle: Im Auftrag des baden-württembergischen Innenministeriums stellt die juris GmbH das Landesrecht Baden-Württemberg als kostenlosen Dienst im Internet (Landesrecht BW Bürgerservice) bereit.] Dieses Gesetz hat der Landtag zur Stärkung der Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung im Umweltbereich beschlossen.
Die Gesetze des Landtages gelten auch in der Gemeinde Ostrach!
„Jede Person hat nach Maßgabe dieses Gesetzes Anspruch auf freien Zugang zu Umweltinformationen, über die eine informationspflichtige Stelle … verfügt, ohne ein rechtliches Interesse darlegen zu müssen“ (UIG § 3,1 resp. §§ 22 ff UVwG). Zweifelsohne verfügt die Gemeinde Ostrach über die entsprechenden Umweltinformationen – hier Nitratwerte des Grundwassers – wurden doch die Werte schon zweimal im Amtsblatt veröffentlicht. Um den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich zu halten, habe ich den Leiter der Gemeindeverwaltung gebeten, mir die jüngsten Analysedaten per E-Mail zukommen zu lassen. Auch nach Ablauf eines Monats wurde mir diesbezüglich kein Ablehnungsgrund mitgeteilt, sondern die Auskunft grundlos verweigert.
Diese Verstöße gegen die Gesetzgebung des Landes scheinen mir deshalb ein Einschreiten der Rechtsaufsicht in hohem Maße zu rechtfertigen.

Leider kann ich Ihre Überlegungen, was den Gemeinderatsbeschluss der Gemeinde Ostrach von 01. 06. 2017 betrifft, nicht teilen. Ich würde Sie bitten, den Sachverhalt noch einmal zu überprüfen.
Der Gemeinderat stimmt dem Antrag von GR Schmitt auf die regelmäßige Anforderung und Veröffentlichung der Daten der Trinkwasseranalyse einstimmig zu.“
In diesem Beschluss ist von keinem Junktim die Rede. Die Veröffentlichung der Daten werden nicht mit der Inbetriebnahme des sog. Milchviehparks verknüpft, hieße es doch sonst „… Veröffentlichung der Daten der Trinkwasseranalyse nach Inbetriebnahme …“.
Des Antragstellers Intention ist im Übrigen ebenfalls mit keinem Junktim verknüpft: „GR Schmitt beantragt, dass die Ergebnisse der vierteljährlichen Grundwassermessungen im Mitteilungsblatt und auf der Homepage der Gemeinde Ostrach veröffentlicht werden.“
Dass die Gemeindeverwaltung bisher zwei Mal – am 01. 02. 2018 und am 03. 05. 2018 – die Analysedaten im Amtsblatt veröffentlicht hat, legt doch den Verdacht nahe, dass die Gemeindeverwaltung ebenfalls von keinem Junktim ausging. Wenn die Gemeindeverwaltung Ihnen allerdings mitteilt, dass Veröffentlichungen dieser Art auf „freiwilliger Basis“ geschähen und – wie gehabt – jederzeit nach Gutdünken wieder eingestellt werden können, handelt es sich hier um ein gerüttelt Maß an Willkür und Zynismus, das einer Verwaltung nicht zusteht.
Etwas verwundert bin ich über die Mitteilung des Fachbereichs Umwelt, ging doch Herr Obert bei der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses am 27. 03. 2018 ebenfalls bei der Diskussion über die erhöhten Nitratwerte davon aus, dass eine Veröffentlichung durch die Gemeinde ja stattfinde. Auch bei dieser Diskussion war nie von einem Junktim die Rede.
Allein die Tatsache, dass die Betreiber des sog. Milchviehparks versicherten, dass nach Inbetriebnahme nicht mehr Gülle anfiele, da die bisher gelieferte Fremdgülle durch Eigengülle ersetzt würde, legt doch die zügige Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses nahe, da die Nitratbelastung jetzt schon das gleiche Ausmaß erreichen dürfte wie nach Inbetriebnahme und somit die Veröffentlichung der Werte, wie es der Gemeinderatsbeschluss vorsieht, zu erfolgen hat. Dass permanent Kuhgülle „im großen Stil“ angefahren wird, räumt auch der Bürgermeister der Gemeinde Ostrach in einem Interview mit der Verwaltungszeitung des Landes Baden-Württemberg (Nr. 5/ Dez. 2018) ein.
Da das Grundwasser laut Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 01. 06. 2017 vom Landratsamt Sigmaringen FB Umwelt turnusmäßig untersucht wird, kann ich den Beschluss des Gemeinderates abschließend nur so interpretieren, dass – ohne Junktim – die Nitratwerte zu veröffentlichen sind.

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr.
Mit freundlichem Gruß
Franz Schreijäg


Da der Sachbereichsleiter erst am 07. 01. 2019 wieder zur Verfügung steht, müssen wir uns solange oder länger gedulden.

Den Lesern meines Blogs wünsche ich ein gutes neues Jahr!

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Ostrach. Ein Wintermärchen

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser …

Der Verband der Verwaltungsbeamten in Baden – Württemberg (VdV) vertritt die Interessen der Studierenden, Beamten und Beschäftigten aller Verwaltungslaufbahnen, und das seit 120 Jahren. „Vom Inspektor zum Ministerpräsidenten“ – so der Slogan. Oder auch Bürgermeister, wenn es etwas weniger sein darf. In der aktuellen Verwaltungszeitung der Interessenorganisation vom Dezember 2018 gibt Ostrachs Bürgermeister ein Interview; ebenfalls gibt es ein Porträt der Gemeinde Ostrach. Soweit die nüchternen Fakten. Ob das Interview und das Porträt lesenswert sind? Ärgerlich und erheiternd sind sie allemal, denn schon als Zwanzigjähriger wollte Ostrachs Bürgermeister unbedingt Bürgermeister werden, teilt er mit. Einen hohen „Zielerreichungsgrad“ [sic] nennt er das. Aber nicht immer hat er diesen „Zielerreichungsgrad“ erreicht, denn „marketingtechnisch“ wäre es ihm viel lieber gewesen, der Energiepark Hahnennest hätte die „Donau Silphie“ „Ostrach Silphie“ genannt, das wäre ein Erreichungsgrad auf höchstem Niveau gewesen.
Auf einem wesentlich geringeren Niveau werden allerdings die kritischeren Fragen dieses Interviews beantwortet, die sich mit dem Komplex Hahnennest beschäftigen. Energiegewinnung durch Kuhgülle, Monokultur durch Maisanbau, unbekannte Langzeitfolgen der Pflanze Silphie, Preisverfall der Kuhmilch und Nitratbelastung des Grundwassers, zu diesen Problembereichen wurde Ostrachs Bürgermeister u. a. befragt. Antwort? Der Gemeinderat hat das 1000-Kühe-Projekt genehmigt. Im Übrigen käme die Kritik ja nicht aus der Gemeinde selbst, sondern aus der erweiterten Region. „Wenn ich heute aus dem Rathaus schaue, freue ich mich über den dort entstandenen multifunktionalen Platz …“. Soweit des Bürgermeisters Weitblick. Halt! Es gibt natürlich noch das „Pfrunger-Burgweiler Ried“, das bietet Heimat für Mensch und Tier. Unterschriftenaktion und Petitionsverfahren stören da doch nur. Die Ostracher wollen doch die Kuhgülle, Ostrachs Landwirte wollen doch den Preisverfall der Milch, sie wollen doch das Hahnennester Gnadenbrot, das ihnen die Nachzucht männlicher Kälber, quasi das Abfallprodukt, garantiert.
Konzediert wird, dass aktuell bereits „Kuhgülle im großem Stil verwendet“ wird. Die Sauberkeit des Trinkwassers wird aber laut Ostrachs Bürgermeister erst dann zum zentralen Anliegen, wenn die 1000 Kühe ihre Gülle zur weiteren Verwendung dem Energiepark zuführen. Es gibt nicht mehr Gülle, die Eigengülle ersetze die Fremdgülle, haben die Betreiber des Energieparks im März bei der öffentlichen Anhörung des Petitionsausschusses in Burgweiler versichert. Und da damals schon bei TB Spitzbreite und Zoznegg mehr als 50 mg/l Nitrat gemessen wurden, konnte das Landratsamt in Person von Herrn Obert davon ausgehen, dass die Nitratwerte in Ostrach regelmäßig veröffentlicht werden, so wie es auch der Gemeinderat beschlossen hat. Da glänzte aber Ostrachs Bürgermeister durch Abwesenheit, als das besprochen wurde. Jetzt hat halt einmal mehr die Rechtsaufsicht des Landratsamtes die Aufgabe, den Sachverhalt zu überprüfen.
Nach dem Containerumschlagplatz der Firma Boxtango gefragt, ist des Bürgermeisters Erkenntnis, dass der Lkw- Verkehr in Ostrach zunähme, in größerem Umfange aber vermieden würde. Aha. Durch die Vermeidung erfolgt die Zunahme. Aber genau hier liege eine Chance für die wirtschaftliche Weiterentwicklung Ostrachs. Seltsam. Am 16. April schloss sich Ostrachs Bürgermeister noch einem Antrag der SPD an, dass die Gemeinde von ihrem Rückkaufrecht des Geländes Gebrauch machen solle.
Ob er Visionen für die Zukunft habe, wurde Ostrachs Bürgermeister gefragt. Er sei kein Visionär. Zeichne doch das Miteinander von Natur und Fortschritt Ostrach aus. Und da Ostrach große Gemarkungsflächen habe, gebe es ausreichend Platz – sie zu versiegeln, muss man jetzt hinzufügen. Bauplätze 13,7 ha, Gewerbeflächen u. U. 16,2 ha in den letzten drei Jahren. Aber keine Sorge. Der „Zielerreichungsgrad“ dürfte noch nicht erreicht sein. Auch wächst ja die Fläche nach – ad infinitum. Der Kiesabbau? Ein Randthema. Geht es hier doch lediglich um runde 200 Hektar in den nächsten Jahren. [Detailliertere Aufschlüsselung des Flächenverbrauchs in der Zusammenstellung. Angabe in Hektar.]
Hervorragend die Wirtschaftsförderung in der Gemeinde. Wenn im Rahmen dieser Wirtschaftsförderung allerdings der Verweis auf die Firma Daimler erfolgt, so mag doch jeder Fahrer eines Daimlers, der zwar durch Ostrach, aber nicht mehr durch Stuttgart kommt, sich seine eigenen Gedanken darüber machen, ob Daimler immer die erste Adresse ist und „welcher Boden hier bereitet wurde“.
Eine der wenigen kritischen Bemerkungen zu Ostrach auf die Frage nach der Ärzteversorgung: „Früher hatten wir fünf Ärzte, heute haben wir fünf Paketannahmestellen.“ Aber wir halten Kontakt zu jungen Ärzten aus der Region, die sich ein Engagement als Hausarzt in Ostrach vorstellen können. Ja, vorstellen kann sich so ein junger Arzt einiges, vor allem dann, wenn er das nachfolgende Porträt Ostrachs in der Verbandszeitung lesen kann.

Zwei herausragende Dinge gibt es in und um Ostrach: Xaver Hohenleiter und seine kriminelle Vereinigung. Davon abgeleitet das ganze „Schwarze–Vere-Getue“ von der Räuberbahn bis zur „Vere-Wurst“.
Das andere ist Ostrachs Lage: „Durch die einmalige Lage Ostrachs in einem schönen Tal zwischen sanften Hügeln und wunderbaren Waldgebieten ist es ein ideales Urlaubsgebiet für Menschen, die Ruhe und Erholung suchen.“
Schönes Tal, sanfte Hügel, wunderbare Waldgebiete! „Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen … Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden …“. Ja! Genau! Goethes Werther. 10. Mai 1771.
Ostrach als locus amoenus, als lieblicher Ort, als Idylle. Der Redakteur der Verwaltungszeitung kann nie in Ostrach gewesen sein. Locus terribils oder locus desertus wäre angemessener.
Ostrach, eingebettet in eines der größten Kiesabbaugebiete, eingekreist durch Gewerbegebiete, geschmückt von Mais und Silphie, bereichert durch 1000 Kühe, deren Exkremente für nitratfreies Grundwasser sorgen, dieses Ostrach ist für jede junge Ärztin und jeden jungen Arzt ein Traum. Hier lasst uns Hütten bauen!

In diesem Sinne:
Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die vierte Kerze brennt.

Und natürlich:
Frohe Weihnachten!

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Chronik eines demokratischen Lehrstücks

Es geht in dieser Adventsbotschaft zum dritten Advent noch nicht um die gescheiterte Petition im Fall Hahnennest, es geht auch noch nicht um ein seltsames Interview und um ein noch viel seltsameres Porträt der Gemeinde Ostrach in der Verwaltungszeitung des Verwaltungsbeamtenverbandes – Letzteres ist doch ein Fall für den vierten Advent, wenn alle Lichter aufgehen – , jetzt geht es zunächst um ein Lehrstück demokratischen Verfahrens am Beispiel „planerischer Maßnahmen im Kernort“. Und das geht so:

3. 04. 2017: Laut Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 03. 04. 2017 stellt Gemeinderat Schmitt, SPD-Fraktion, folgenden Antrag: „GR Schmitt beantragt, für planerische Maßnahmen im Kernort im Haushaltsplan Mittel einzuplanen. Bis zur Sommerpause sollte ein Büro für dieses Konzept beauftragt werden. Bürgermeister Schulz schlägt vor, für diesen Zweck 30.000 EUR im Haushaltsplan zur Verfügung zu stellen.
Der Gemeinderat stimmt dem Antrag der SPD-Fraktion einstimmig zu. Der Planansatz für planerische Maßnahmen im Kernort wird mit 30.000 EUR im Haushaltsplan eingestellt.“
03. 04. 2017 bis 01. 04. 2018: Es handelt sich um keinen Aprilscherz; aber der Planansatz für planerische Maßnahmen hat die Sommerpause überlebt und befindet sich seit einem Jahr auf Eis.
02. 04. 2018: Ein besorgter Ostracher Bürger mit viel Geduld erdreistet sich nach einem Jahr an den Bürgermeister der Gemeinde die folgende Anfrage zu richten:
Würden Sie mir bitte nähere Auskunft darüber geben, ob
a) ein Planungsbüro zur Erstellung eines Konzeptes beauftragt wurde,
b) wenn ja, wie das Konzept inhaltlich aussieht und wann die Ostracher Bürger dieses Konzept auf der Homepage der Gemeinde einsehen können.
Da offensichtlich 30.000 Euro für diese planerischen Maßnahmen im Haushaltsplan zur Verfügung gestellt wurden, müsste man doch davon ausgehen können, dass nach einem Jahr der einstimmige Gemeinderatsbeschluss längst hätte umgesetzt werden müssen.
Nähere Auskunft bekommt der Bürger natürlich nicht, handelt es sich doch lediglich um einen renitenten Blogger mit seltsamen Vorstellungen von Demokratie und Rechtsstaat.
14. 04. 2018: Laut Schwäbischer Zeitung teilt der Bürgermeister den Mitgliedern des HGVs mit, „dass die Gemeinde ein Planungsbüro suche, das ein Konzept zur Aufwertung der Hauptstraße entwickelt. Dafür seien bereits im vergangenen Jahr Haushaltsmittel berücksichtigt worden“.
Da fällt dem Bürgermeister also nach einem Jahr und 11 Tagen doch noch ein, dass es da einen Gemeinderatsbeschluss gibt, den er hätte umsetzen müssen. 12 Tage vorher hatte er offensichtlich eine Gedächtnislücke. Bedenklich, bedenklich.
16. 04. 2018 Hochfest der Demokratie in Ostrach – „Haushaltsdebatte“. Flammende Rede des Fraktionsvorsitzenden der SPD: „Für Ostrach hat unsere Fraktion letztes Jahr eine Planungsrate von 30 000 € für die Neugestaltung des Ortszentrums beantragt und im Haushalt verankert. Dort schlummert sie, unangetastet, immer noch. Die Umsetzung scheiterte an der Tatsache, dass die Hauptstraße Landesstraße ist und wir in der Reihenfolge der Straßenerneuerungsmaßnahmen auf der Landesliste scheinbar auf den Sankt Nimmerleinstag warten müssen … Um den Prozess der Erneuerung voranzutreiben, um auf der Landesliste voranzukommen und um unsere ernsthafte Ausbau Absicht zu verdeutlichen schlagen wir vor, uns an den Kosten eines Um- und Neubaus der Hauptstraße trotz Landeszuständigkeit, zu beteiligen. Wir stellen den Antrag, für eine rasche Umsetzung des Vorhabens dem Land 200000 € als Eigenbeteiligung der Gemeinde anzubieten. Das Angebot ist zeitlich begrenzt.“
Und wenn in Ostrach etwas schlummert, dann schlummert es. Und wenn es sein muss, bis zum Sankt Nimmerleinstag. Und auch der Protokollant ist während der Haushaltsdebatte eingeschlummert, sonst hätte er nämlich das Abstimmungsergebnis über diesen Antrag den interessierten Ostrachern gemäß § 41b GemO auf der Internetseite mitteilen müssen. Stimmt man doch über Anträge im Allgemeinen ab, auch im Ostracher Gemeinderat. Aus dem Protokoll ist aber kein Abstimmungsergebnis über den Antrag ersichtlich.
Der Prozess der Erneuerung nimmt aber seinen unaufhaltsamen Gang.

13. 12. 2018: Aus dem Bericht der Schwäbischen Zeitung von der Gemeinderatssitzung vom 10. 12. 2018: „Der Gemeinderat hat in nicht öffentlicher Sitzung eine Planung zur Aufwertung des Ortskerns in Auftrag gegeben. Das gab Bürgermeister Christoph Schulz am Montagabend in der Sitzung bekannt.“
Nichtöffentliche Sitzung? Da hat wohl das öffentliche Wohl oder das Interesse Einzelner ein solches Gewicht, dass die Planung zur Aufwertung des Ortskerns im Geheimen stattfinden muss.
In der nächsten öffentlichen Sitzung sind allerdings die Beschlüsse bekannt zu geben (siehe § 35,1 GemO) und nach § 41b, 5 GemO auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Was aber finden wir dort? „Wahl der Mitglieder des Gemeindewahlausschusses und Baugesuche“.
Aber was sagt der Bürgermeister doch gleich in aller Öffentlichkeit zur Presse: „ ‚Uns ist aber sehr wichtig, dass wir die Bürger beteiligen können‘, sagte Schulz“.
Selten so gelacht!

Wir sagen euch an den lieben Advent.
advent 3Sehet, die dritte Kerze brennt.

 

 

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Jauchzet, frohlocket …

… und zwar in Überlingen und Pfullendorf, am Stephanstag und an Dreikönig. Bachs Weihnachtsoratorium wird aufgeführt vom Heinrich-Schütz-Vocalensemble und vom Heinrich-Schütz-Consort. Und eigentlich ist es doch egal, ob es da heißt Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! oder Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage. Bach war da ziemlich tolerant. Auch bei dem Choral Wie soll ich dich empfangen bitte nicht erschrecken; es liegt kein Irrtum vor. Wir haben uns weder in der Jahreszeit, noch im Ablauf des Kirchenjahres geirrt. Wer Zweifel haben sollte, in der Pfullendorfer St-Jakobus-Kirche auf das große Bild des rechten Seitenaltarblatts blicken: Anbetung der drei Könige von Franz Joseph Spiegler. Nur der Joseph, links im Dunkeln, zweifelt. Sonst niemand. Es ist der 6. Januar, Dreikönig, zweifelsohne. Es ist nicht Karfreitag!

Also:

Bach Weihnachtsoratorium 2

Ach so. Fast hätt ich es vergessen:

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die zweite Kerze brennt.

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Papst Franziskus‘ Adventsbotschaft

Jorge Mario Bergoglio, also Papst Franziskus, hat eine seltsame Adventsbotschaft in die Welt geschickt. In Sorge, nicht flagranti cura, aber immerhin in Sorge, meint er: „In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist…“. Und das findet er nun gar nicht gut.
Ob Jens Spahn, Klaus Wowereit, Ole von Beust und der tapfere Volker Beck sich auch als Modeerscheinung in unserer Gesellschaft sehen? Alice Weidel ist sicher keine Modeerscheinung. Ihre politischen Grundsätze sind von vorgestern; homosexuell bzw. lesbisch ist sie trotzdem.
Tschaikowsky, Oscar Wilde, Rimbaud, André Gide und natürlich Thomas Mann, um nur einige zu nennen, sind nach wie vor modern. Eine Modeerscheinung war ihre Existenz aber nie.

Schöpfungsmythen von der Entstehung des Menschen gibt es viele. Jede Kultur hat ihre eigene Anthropogenie. Wir haben uns auf Adam und Eva geeinigt, also auf eine gewisse Heterosexualität. Es gibt aber auch bei uns eine andere Geschichte und die geht so:
Am Anfang gab es dreierlei Geschlechter von Menschen, ein männliches, ein weibliches und ein mann—weibliches. Vierhändig, vierbeinig, mit zwei Gesichtern rollten sie kugelförmig durch die Welt und wurden immer dreister und frecher, so dass die Götter nur noch einen Ausweg wussten. Sie schnitten die Kugeln in zwei Hälften, damit ihre Zügellosigkeit aufhört. Von den Göttern etwas zurechtmodelliert, konnten sich die Hälften ganz passabel bewegen. Der zerschnittene Zustand war und ist aber gänzlich unbefriedigend. Deshalb sucht jedes Teilstück seine andere Hälfte. Das mann -weibliche sucht sein weibliches oder männliches Teilstück, damit es wieder eins werde; das weibliche sucht sein weibliches und das männliche sein männliches Pendant. Womit Heterosexualität und Homosexualität anschaulich erklärt wären. Das, was die Hälften zwingt, die andere Hälfte zu finden, ist ebenfalls die anschauliche Erklärung dessen, was Eros ist.
Die Geschichte ist uralt, fast 2400 Jahre ist es her, dass Platon (Sie haben es längst erkannt) im Symposion so Eros erklärt. Homosexualität eine Modeerscheinung? Im Vatikan angeblich schon.

advent 1Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die erste Kerze brennt!

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Presse und Sprache – Dem Volk auf das Maul sehen V

emoticon_with_tears_of_joyIn unregelmäßigen Abständen gibt es hier eine ganz spezielle Presseschau.

In seinem Aufsatz Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden schreibt H. v. Kleist:
„Der Franzose sagt, l’appétit vient en mangeant, und dieser Erfahrungssatz bleibt wahr, wenn man ihn parodiert, und sagt, l’idee vient en parlant.“ Wenn man ihn allerdings weiter parodiert und sagt, l’idée vient en écrivant, dürften hier schon einige Zweifel geäußert werden, wie man an unseren Zeitungen sehen kann.
Die tollste Idee konnte man unlängst in Focus-online am 21. 08 2018 lesen. Bei der Besprechung von Wer wird Millionär? Abi-Special schreibt der Journalist Axel Wolfsgruber: „Geschichtslehrer Simon Grohs wird wohl schlecht schlafen. Bei der Frage, welche Sprache zu den offiziellen europäischen Sprachen gehört, nennt er eilig und selbstbewusst Österreichisch. Und zwar ‚zu 100 Prozent‘, wie der Lehrer betont. Es ist immerhin die 64000-Euro-Frage. Hätte seine ehemalige Schülerin Verena Mair auf ihren alten Pauker gehört, wären mal eben 31500 Euro futsch gewesen. Tatsächlich ist Belgisch als Antwort richtig gewesen. Da kann man mal sehen, dass auch bei Lehrern das reine Selbstbewusstsein nicht alles ist.“ Und bei manchen Journalisten dürfte dies auch zutreffen. Es ist allerdings nicht bekannt, wie es um den Schlaf von Herrn Axel Wolfsgruber bestellt ist, wenn er auf Belgisch träumt.
Schlecht ist es offensichtlich um den Schlaf eines Journalisten der Süddeutschen Zeitung bestellt, denn der hat sich im Wald verirrt: „Entweder muss es dem Land verdammt gut gehen, oder aber die Regierung führt die eigenen Bürger gehörig hinter die Fichte“ (Süddeutsche Zeitung, 06. 07. 2018). Sollte der Herr sich allerdings hinters Licht geführt fühlen, hätte er unbedingt in das Barockkonzert nach Levertsweiler müssen, denn dort gab es Licht im Dunkeln: „Immer wieder leuchtete Licht im Dunklen des Molls“ (Schwäbische Zeitung, 21. 08. 2018).
Wie groß der Andrang und das Interesse des Publikums in Levertsweiler war, ist nicht bekannt. Im Café Le Nemours in Paris war laut Süddeutscher Zeitung das Interesse jedenfalls nicht so groß, als „vor den Augen des demi-interessierten Publikums im Café Le Nemours in Paris“ ein großer Mann von einem winzigen Fahrrad steigt (Süddeutsche Zeitung, 14. 09. 2018). Da war beim Giro d’Italia das Publikum in diesem Jahr nicht demi-interessiert, wirkte doch Froome bei dem Kampf um das Maglia Rosa „so dynamisch wie ein Tanzbär auf einem Dreirad“ (Süddeutsche Zeitung, 22. 05. 2018.)
Selbst wenn Emotionen „hoch kochen“, herrschte beim Fußballspiel Mengen gegen Ostrach Ruhe: „Das Gespann blieb ruhig, sachlich und arbeitete das Geschehen ab“ (Schwäbische Zeitung, 09. 09. 2018). Ja wenn’s hochkocht, muss man das Geschehen sachlich abarbeiten, auch im Fußball.
Sehr sachlich blieb auch Herr Hoeneß, als er sich über Mesut Özil äußerte: „Özil ist ein vermarktetes Produkt. Er wird besser dargestellt, als er ist“, sagte der Bayern-Boss (t-online, 19. 08. 2018). Man sollte Würste nicht mit Menschen gleichsetzten, möchte man da dem Bayern-Boss und Wurstproduzenten zurufen. Rote Karte!
Rote Karte auch für folgenden unsäglichen Begriff: Aufarbeitungslandschaft. „In der Aufarbeitungslandschaft ist zu beobachten, dass in vielen Institutionen – die erfolgreiche Berliner Mauergedenkstätte ist eine rühmliche Ausnahme! – Personen Verantwortung tragen, die dafür ‚nur‘ durch ihre Biografie … qualifiziert sind“ (Süddeutsche Zeitung, 23. 10. 2018). Gedenkstätten sind keine Aufarbeitungslandschaften!

Entspannter und fröhlicher geht es da schon in Wimbledon zu, wenn Angelique Kerber den Titel holt. „Deutschland feiert unsere Wimbledon-Königin“, schreibt die Bildzeitung (Bild-online, 14. 07. 2018). Da ist man schon erstaunt, dass Frau Kerber in der Redaktion der Bildzeitung arbeitet und trotz ihrer hohen Preisgelder sich mit Boris Becker ein Zimmer teilen muss: „Wir müssen unser Wohnzimmer teilen“, erfahren wir von Boris Becker in Bild-online. Hoffen wir mal, dass es beim Wohnzimmer bleibt. Aber ein Wohnzimmer ist zunächst eine banale Ausgangssituation, quasi eine Art Vorgarten.
Den finden wir in Bernhard Strobels Roman, der in der Süddeutsche Zeitung vom 27. 08. wie folgt besprochen wird: „Das ist die banale Ausgangskonstellation von Bernhard Strobels ersten Roman ‚Im Vorgarten der Palme‘ […] Bernhard Strobel schildert all das mit der gebotenen Obsession, in wahnhaften Grübelschleifen und aus der verschrobenen Perspektive seines unsympathischen Heldens“. Grübelschleifen kann man schon ziehen, wenn Genitiv und Dativ so missbraucht werden.
Aber nicht nur bei der Süddeutschen Zeitung, sondern auch bei der Schwäbischen Zeitung kommt man ins Grübeln, wenn man Folgendes lesen kann:
„Laut des Pächters Andreas Braunagel ist das ehemalige Gasthaus Brücke ab Freitag als Steakhaus ‚Polenta‘ geöffnet“ (Schwäbische Zeitung, 27. 06. 2018).
„Die Auswirkungen sind laut des Umweltberichtes erheblich negativ“ (Schwäbische Zeitung, 05. 09. 2018).
„Die endgültigen Preise werde der Gemeinderat voraussichtlich im Winter für einen Großteil der Gebiete festlegen. Tendenziell werden sie laut des Bürgermeisters aber deutlich teurer…“ (Schwäbische Zeitung 08. 09. 2018).
Die Präposition laut regiert den Genitiv, sagt Freund Duden. Folgt aber laut Duden ein allein stehendes stark gebeugtes Substantiv im Singular, dann wird dieses nicht flektiert. Laut Bericht der Schwäbischen Zeitung sind z. B. „die beiden Bushaltestellen in der Hindenburgstraße nahe des Rathauses seit einigen Sitzungen des Altshauser Gemeinderates ein Dauerbrenner“ (Schwäbische Zeitung, 16. 11. 2018). Sie dürften sich kaum nahe des Rathauses befinden, die Bushaltestellen. Nahe dem Rathaus fühlen sie sich wohler. Manchmal ist man als Zeitungsleser schon dem Weinen nahe.
Zum Weinen war auch eine Tragikomödie in Bad Saulgaus Stadthalle, handelt es sich doch hier um einen Ort, der den Alterungsprozess erheblich beschleunigt. „Preisgekrönte Tragikomödie über das Altern in der Stadthalle“, so die Schwäbische Zeitung vom 26. 10. 2018.

Nicht zum Weinen war es den Ostracher Schülern bei ihrer Etréchyfahrt zumute, denn sie machten einen Ausflug nach Paris. „Auch ein Walk im Künstlerviertel Montmartre, die Besichtigung der Kirche Notre Dame …rundeten unsere Ausflüge nach Paris ab“ (Mitteilungsblatt vom 21. 06. 2018). Das waren noch Zeiten, als man über die Champs-Élysées flanierte und durch das Künstlerviertel auf Montmartre promenierte. Heute macht man einen Walk.

Rückblick: Pressse und Sprache

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Wir sind Ostrach?

„Wir sind Ostrach – zusammen Zukunft gestalten“. Nous sommes Ostrach? Ob dies der geeignete Titel für eine Zukunftswerkstadt ist, mag jeder selber entscheiden. Sollte es trotzdem klappen – tant mieux!
Am Freitagnachmittag und am Samstagmorgen haben sich knapp über 40 Ostracher bemüht, in Arbeitsgruppen Ideen für die zukünftige Entwicklung Ostrachs zu sammeln. Moderiert von Mitarbeitern der Führungsakademie Baden-Württemberg wurden in wechselnder Gruppenzusammensetzung Probleme, Erwartungen, Hoffnungen und Projekte diskutiert. Am Ende der Tagung standen die Handlungsfelder, die im weiteren Verlauf dieses längerfristig angelegten Projektes Ostrachs Zukunft prägen sollten. Von wegen! „In der Zukunftskonferenz werden keine Entscheidungen getroffen; dies geschieht im vorgeschriebenen politischen Verfahren.“ Soweit die grundsätzliche Einschränkung des Projekts. Kein deliberatives Verfahren, kein zwangloser Zwang des besseren Arguments, um Habermas’ Formel zu bemühen, sondern eine informelle Bürgerbeteiligung ohne Entscheidungskompetenz. Das ganze Projekt kann wirkungslos verpuffen, wenn Bürgermeister und Gemeinderat es nicht umsetzten wollen. Das kennen wir zur Genüge in Ostrach. Es wäre nicht das erste Mal, dass Bürger, Alte und Junge, vor allem junge Bürger in dieser Gemeinde instrumentalisiert würden. Die Handlungsfelder, die sich im Verlauf der Tagung herauskristallisierten, waren Kommunale Planung, Ärzteversorgung, Jugendbeteiligung, Familien, Naturschutz und Mobilität.

Der Weg zu diesen Handlungsfeldern war zwar nicht mit Steinen gepflastert, aber er war umständlich. Fragen, die eher zum Plaudern einluden, Präsentationsformen, die an die Schulzeit erinnerten – „Bereiten Sie eine Präsentation in Form einer Pressekonferenz, eines Sketches, eines Fernseh- oder Radiointerviews oder eines Bildes vor“ – , Flipcharts und Punkte, Punkte und Flipcharts, das war das methodische Verfahren, das am Schluss zu Lösungsansätzen führen sollte.
Hier ein Auszug der Aufgaben, die in Gruppen zu lösen waren:
Was ärgert und was freut Sie am Miteinander in Ihrer Stadt?
Welche Hoffnungen und Erwartungen an das Miteinander in unserer Stadt haben wir? Sammeln Sie diese auf dem Flipchart.
Welche Entwicklungen und Trends im nahen und weiten Umfeld kommen auf uns zu, die wir beachten müssen.
Absoluter Höhepunkt, neudeutsch Highlight, war die Gruppenphase unter dem Motto Davon träumen, wie es wäre, wenn alles gut wäre. Aufgabenstellung: „Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in ein paar Jahren immer noch in Ostrach und es hat sich hier alles so entwickelt, wie Sie es sich erhofft haben. Wie sieht die Zukunft, wie sieht das Zusammenleben hier dann aus?“ Dann, ja dann wird das utopische Prinzip Hoffnung erfahrbar, denn Wolf und Schaf werden sich jetzt in Liebe umarmen, möchte man auf diese Frage antworten.

Der Fokus liege auf der Zukunft statt auf Problemen, meinen die Veranstalter unter der Rubrik Grundsätzliches. Nicht bewältigte, nicht gelöste Probleme können aber auch den Weg in die Zukunft verbauen. In Ostrach gibt es viele davon.

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