Kiesabbau und Gewerbegebiete – Ostrach ist einfach spitze

Fortschreibung des Regionalplans 2. Anhörung 2021
Kleine Handreichung für eilige Leser

In sprödem Verwaltungsdeutsch teilt das Landratsamt Sigmaringen am 15. 01. 2021 der Öffentlichkeit unter Aktuelle Meldungen Folgendes mit:
„2. Offenlage im Rahmen der Änderung des Regionalplans Bodensee-Oberschwaben. Öffentliche Bekanntmachung über die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Gesamtfortschreibung des Regionalplans Bodensee-Oberschwaben.“
Über diesen Link kann man die Unterlagen zur Fortschreibung des Regionalplans finden: Fortschreibung des Regionalplans – 2. Anhörung

Nebst dem Textteil des Regionalplans mit seinen 130 Seiten (Da freuen sich aber die Ostracher Gemeinderäte, dass sie das endlich lesen dürfen. Und erst die Regionale Klimaanalyse im Umfang von rund 330 Seiten wird sie entzücken. Letzteres ist unter „zweckdienliche Unterlagen“ zu finden.) sind vor allem die Anlagen zum Umweltbericht von Relevanz.

(Im Folgenden beziehen sich alle Seitenangaben auf die Anlagen zum Umweltbericht.)

Unter Schwerpunkte für Industrie und Gewerbe findet man auf Seite 155 die Gebietscharakteristik des Gewerbegebiets IKG Königsegg. Es fand in diesem Blog im Zusammenhang mit der 1. Anhörung schon eine eingehende Würdigung der sog. Charakterisierung dieses Gebietes im Umfang von 22 ha statt (siehe unten). Es sei lediglich wiederholt, dass es etwas befremdet, wenn im Rahmen der Bewertung des „Schutzgutes Mensch“ der Regionalverband zu dem Ergebnis kommt, das Vorhaben führe zwar zu einer erheblichen Beeinträchtigung der in der Nähe lebenden Menschen, trotzdem sei aber der Standort im Rahmen der Gesamtbewertung als Vorranggebiet bedingt geeignet. Bedingt geeignet heißt, dass mit Ausnahme eines Kohlekraftwerks oder einer Galvanisierungsanlage eigentlich alles gebaut werden kann.

Bei oberflächennahen Rohstoffen geht es für den Bereich Ostrach vor allem um den gigantischen Kiesabbau im Wagenhart. Auf den Seiten 332 ff werden im Rahmen der Gebietscharakteristik die Vorranggebiete Abbau (VRG-Abbau), auf Seite 507 die Vorranggebiete Sicherung (VRG-Sicherung) charakterisiert. Runde 150 Hektar sollen also in absehbarer Zeit ausgebeutet werden, dies entspricht einer Fläche von rund 210 Fußballplätzen. Zusätzlich zu dem bereits laufenden Kiesabbau, muss hier ergänzt werden.
Es ist in diesem Zusammenhang geradezu wahnwitzig, dass Ostrachs Gemeinderat laut Gemeinderatsbeschluss vom 05. 10. 2020 (Kiesabbaufläche Wagenhartwald mit 75 ha) zusätzlich einen Waldbestand zum Kiesabbau im Umfang von 105 Fußballfeldern dem Kieswerk anbietet, verbunden mit Forderungen, die nur noch als abstrus zu bezeichnen sind.
Es ist ebenfalls in diesem Blog der mehr als seltsame Beschluss des Ostracher Gemeinderats mit den Begriffen Willfährigkeit und devot charakterisiert worden (s. u.). Lächerlich müsste man eigentlich noch ergänzen. Schreibt doch Ostrachs Gemeinderat dem Unternehmen vor, unter welchen Bedingungen der Kiesabbau zu erfolgen habe. Dies ist gerade so, als ob einem Restaurantbetrieb ein Erweiterungsanbau nur dann genehmigt wird, wenn das „Salätle“ nur noch mit bestem Olivenöl und die Spätzle ohne Eier zubereitet werden.

Kiesabbau Ochsenbach mit 8,9 ha ist auf Seite 441 charakterisiert, Am Tafertsweiler Weg mit 15,7 ha auf Seite 459 und Jettkofen-Lohstock mit 14,7 ha auf Seite 463.
Zusammen eine Fläche von  191 ha neuer Kiesabbau auf der Gemarkung Ostrach und in Ostrachs Wagenhart. Im Kiesabbau ist Ostrach spitze! Bei der Erweiterung von Gewerbegebieten ebenfalls. Und natürlich bei den Bauplätzen: 27 ha in zwei Jahren freigegeben zur Versieglung (s. u.). Spitze!

Bleibt am Schluss nur noch diese vermeintliche Weissagung der Cree:
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Blogeinträge zum Kiesabbau:

Kiesabbau im Wagenhart – Entscheidung eines willfährigen Gemeinderats

Über die Scharr- und Kratzfüße des Ostracher Gemeinderats beim Kiesabbau im Wagenhart

Blogeintrag zum Gewerbegebiet:

Gewerbegebiet Königsegg umfasst 22 ha im neuen Regionalplan

Bauplätze:

Flächenversieglung in der Gemeinde Ostrach oder aus Drei mach Eins

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