Wir sind Ostrach zum Letzten und ein Nachtrag zur zweiten Kerze

Wie man einen Türken baut oder ist Ostrach inzwischen ein Potemkinsches Dorf geworden

Geplant war für den zweiten Advent eigentlich eine vorweihnachtliche Betrachtung über Stille, Schmerz und Vulkanismus (?), und jetzt geht es plötzlich um Potemkinsche Dörfer. Sie erinnern sich. Der russische Fürst Potemkin hat der Zarin Katharina II. auf ihrer Krimreise als Fassaden aufgebaute Dörfer gezeigt, um Wohlstand vorzutäuschen, Trugbilder also. Liest man den Bericht der Schwäbischen über die Gemeinderatssitzung vom 2. Dezember: Projektgruppen setzten Ideen erfolgreich um, wird man nicht nur in ein Potemkinsches Dorf geführt, sondern man kann zur Kenntnis nehmen, wie das Moderatorenteam des Projekts Wir sind Ostrach einen richtigen Türken baut. Nein, dies ist keine ausländerfeindliche Äußerung. Einen Türken bauen oder etwas türken ist eine Redewendung, die den Sachverhalt treffend wiedergibt. Da die Türken nicht im Ruf stehen zu lügen oder zu betrügen, könnte diese Redewendung folgende Ursache haben: „Mit dem Vorwand, die Türkenkriege zu finanzieren, wurden im 15. bis 17. Jahrhundert manchmal Steuern eingezogen, die dann für andere Zwecke verwendet wurden“ (Gerhard Wagner, Das geht auf keine Kuhhaut. WBG 2011 S.74).
Und das liest sich dann so:

„Ziel des vollständig vom Land finanzierten Programms ist es, dass Bürger Projekte entwickeln und umsetzen, eine Integration im Ort leben. ‚Integration bezieht sich da nicht nur auf die Menschen, die vor kurzem in die Gemeinde gekommen sind, sondern auf die grundsätzliche Dynamik einer Gesellschaft‘, sagte Ewert. Ege ergänzte: ‚Ausgewählt wurde Ostrach aufgrund seiner sehr guten Bewerbung, nicht weil ein Defizit entdeckt wurde.‘ Initiiert hatte die Bewerbung für das Programm die Integrationsmanagerin Martina Eisele“ (Schwäbische Zeitung, 04. 12. 2019).

Land fördert an 23 Orten bürgerschaftliches Engagement bei der Integration von Migranten, und zwar mit 40 000 Euro. So das Ministerium für Soziales und Integration. Die Bewerbung der Gemeinde Ostrach für dieses Programm liest sich wie folgt:

„Die Kommunen Ostrach und Messkirch beginnen im April 2018 mit einer intensiven Integrationsarbeit in einem großen Flächenlandkreis. Eine neu eingestellte Integrationsbeauftragte soll die erforderlichen Strukturen aufbauen. Besonders Kommunen in der Fläche stehen einer großen Herausforderung gegenüber, wenn es um die Integration von Flüchtlingen und anderen Migranten geht … Dazu kommen besonders auch in kleinen Kommunen Vorbehalte gegenüber Fremden. Oft steht der Gruppe von engagierten Ehrenamtlichen eine nicht homogene Gruppe von Menschen gegenüber, die wenig Kontakt mit Geflüchteten und anderen Zuwanderergruppen haben“ (Auszug aus der Interessenbekundung der Gemeinde Ostrach bei der Führungsakademie Baden-Württemberg).

Den vollständigen Antrag kann man hier einsehen.

Hier wird getürkt. Hier werden Mittel für andere Zwecke verwendet. Ortskerngestaltung und Verkehr, Naturschutz (Artenschutz und Artenvielfalt), ärztliche Versorgung, Mobilität (Mobilitätsbedarf und Bürgerbus), Jugend in Ostrach (14er-Rat und Jugendtreff), Wir lieben Familie –diese Projekte haben nichts mit dem Programm des Ministeriums zu tun, nichts mit „intensiver Integrationsarbeit“ und der „Integration von Flüchtlingen und Migranten“, wie es in dem Antrag der Gemeinde Ostrach formuliert wird.
Dass das im Auftrag der Führungsakademie agierende Moderatorenteam und die inzwischen zur „Integrationsmanagerin“ avancierte Integrationsbeauftragte damit keine Probleme haben, liegt auf der Hand. Wird doch alles vollständig vom Land finanziert.
In den Blogbeiträgen WIR sind Ostrach – ohne Integration – ohne mich und in WIR sind Ostrach – Ein kleiner Briefwechsel wurde im Februar 2019 dieses mehr als fragwürdige Verfahren schon ausführlich dargestellt und kritisiert.
Eine bekannte Redewendung im Deutschen heißt übrigens, dass man jemandem ein X für ein U vormacht.

In diesem Sinne:2-advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.

Sehet, die zweite Kerze brennt.

 

Nachtrag zur zweiten Kerze


– Vollendet ist das große Werk. Die Nitratwerte vom November sind seit 4. Dezember nicht nur auf der Homepage der Gemeinde, sondern auch im Mitteilungsblatt vom 5. Dezember. Und das alles unaufgefordert!

– Auch die Lokalredaktion der Schwäbischen Zeitung hat inzwischen mitgekriegt, dass wir in Ostrach ein Nitratproblem haben. Dazu bedurfte es aber einer Bürgeranfrage auf der Gemeinderatssitzung am 2. Dezember. Sonst hätte es die Schwäbische wahrscheinlich nicht mitgekriegt.

– In der Fortschreibung des Regionalplans wird das Gebiet links und rechts der Altshauser Straße (Gewerbegebiet Königsegg) als Industrie- und Gewerbegebiet mit 22 ha ausgewiesen, und dies in Übereinstimmung mit Gemeinderat und Verwaltung. Seit 3. September 2018 wissen wir, dass Bürgermeister und Gemeinderat ein neues Gewerbegebiet im Umfang von 5 ha planen. Ob und wann dies dann bebaut werde, vermochte der Bürgermeister im Rahmen der Bürgerfragestunde nicht vorherzusagen, berichtet die Schwäbische Zeitung vom 05. 12. 2019.

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