Presse und Sprache – Dem Volk auf das Maul sehen VI

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden. Aber nicht dann, wenn 56 Musiker mit dem Ostracher Dirigenten Paul Maier sich in Topform präsentieren „und in einer auffallend positiv wirkenden Spiellaune“ (Schwäbische Zeitung, 04, 12. 2018). Aber besser die Spiellaune ist auffallend positiv als auffallend negativ, denn dann dürfte Wilhelm Buschs Feststellung: Musik ist angenehm zu hören, doch ewig braucht sie nicht zu währen, zutreffen. Tun sie aber nicht, die Feststellung und die Musik, denn die Laune war auffallend positiv.
Auf Flügeln des Gesanges, Herzliebchen, trag ich dich fort, dichtet Heinrich Heine. Und wenn er jetzt glaubt, er könne unter dem Palmenbaum Liebe und Ruhe trinken, darf er nicht nach Kassel zur Walküre –Aufführung, denn dort ging die „Post“ ab: „Von den ersten, wie Leuchtraketen in den Saal gefeuerten ‚Hojotoho‘-Rufen an, ist man im Bann der kraftvoll-geschmeidigen Sinnlichkeit dieses gut fokussierten Soprans“ (Süddeutsche Zeitung, 19. 03. 2019 ). Aber auch Altistinnen sind gut fokussiert und müssen laut Südkurier vom 8. Januar „besonders hervorgehoben werden.“ Denn „ihre Mimik, die man von den vorderen Zuschauerreihen aus sehen konnte, war von einer faszinierenden Ausdrucksstärke geprägt“. Die geschmeidige Sinnlichkeit des Soprans und die faszinierende Mimik der Altistin, diese beiden Sängerinnen vereint, da fällt einem nur noch W. Busch ein: Beim Duett sind stets zu sehn zwei Mäuler, welche offen stehn.

Dass Musik, zumal Klaviermusik, durchaus etwas Artistisches hat, konnte man laut Schwäbischer Zeitung vom 13. März unmissverständlich zur Kenntnis nehmen: „Die räumliche Enge am Flügel meisterten sie durch schnelles Freigeben der Tasten, indem die Arme ausschwangen … Mal beugten sie sich vor, lehnten sich zurück, mal schienen sie sich im Tanz zu wiegen, und bei temperamentvollen Einsätzen riss es sie förmlich vom Hocker“. Nein, es handelt sich um keine Gymnastikstunde, es handelt sich um ein Klavierkonzert im Alten Kloster in Bad Saulgau.
Artistische Klaviermusik? Pyromanische, wenn man Folgendes liest: „Funken sprühen zwischen Klavier und Orchester. Zum ersten Mal spielt er dieses Schwergewicht, und egal, ob großräumige Sprünge, filigranes Perlen, Volksliedton oder überwältigender Schlussjubel, immer lässt der Pianist die Funken sprühen“ (Schwäbische Zeitung, 29. 04. 2019). Es ist nicht bekannt, ob die Feuerwehr ausrücken musste. Geradezu harmlos ging es da 14 Tage vorher bei den reifen Herren des Guarneri-Trios, ebenfalls in Bad Saulgau, zu: „Im ‚Presto‘ tobte das Klavier los, die Streicher wirbelten, dazwischen erklang ein herzzerreißendes, sinnendes Thema“ (Schwäbische Zeitung, 17. 04. 2019). Hier tobt das Klavier ja nur und es sprühen keine Funken. Armes Klavier! Aber was sagt doch gleich W. Busch: Ein gutes Tier ist das Klavier, still, friedlich und bescheiden. Und muss dabei doch vielerlei erdulden und erleiden.

Wenn wir jetzt die Sphäre der Musik verlassen, kann es natürlich nur noch banal werden bei Hexen, Füchsen und Tannen.
Tannen? „Erst kürzlich ist eine große Tanne über Nacht umgekippt und liegt nun mitten im Spielbereich. Die Kinder waren erst traurig, weil er einen Teil beschädigt hat“ (Schwäbischen Zeitung, 23. 03. 2017). Da hat der Tanne(wetzel?) wohl zugeschlagen. Oder sollte es nicht doch eine Fichte gewesen sein, die da den Waldkindergarten heimgesucht hat?
Bei den Hexen geht es um ein schändliches Ereignis, eigentlich weniger um Hexen, als vielmehr um einen Hexenkessel, genauer um den Hexenkesselprozess. Der Angeklagte vor Gericht: „Wenn er etwas sagt, was kaum vorkommt, verlassen die Worte flüssig seinen Mund“ (Schwäbische Zeitung, 04. 12. 2018). Womit also geklärt wäre, dass der Aggregatzustand von Worten flüssig ist, sie somit einer Formänderung so gut wie keinen Widerstand entgegensetzen.
Keinen Widerstand konnten im Februar die Füchse in Laubbach einer Entzündung entgegensetzen: „Entsprechende Meldungen zu toten Füchsen hat die Gemeinde laut Schulz bislang nur für den Raum Laubbach erhalten. Dort und in anderen sei aber auch immer wieder Thema, dass Füchse bei Nahrungsknappheit die Nähe zu Wohnsiedlungen suchen“ (Schwäbische Zeitung, 12. 02. 2019). Da dürften sich aber die toten Füchse schon wundern, wenn sie eine Meldung erhalten, zumal sie mit „dort und in anderen“ kaum etwas anfangen können. Eine Meldung über tote Füchse wäre für die Gemeinde natürlich aufschlussreicher gewesen.

Dass sich in Ostrach Fuchs und Hase gute Nacht sagen, weiß MdL Klaus Burger ganz genau. Er weiß aber auch, dass der ländlichen Raum seine Vorteile hat, vor allem für junge Mediziner: „ ‚Wir haben hier auf dem Land Qualitätsmerkmale, die oft nicht bemerkt werden‘, ergänzte Klaus Burger. Zum Beispiel sei der Bau des Eigenheims oder das Halten eines eigenen Pferdes hier noch bezahlbar… Es sei wichtig, den jungen Medizinern diese Vorzüge zu vermitteln“ (Schwäbische Zeitung, 25. 03. 2019) Da hat er doch glatt vergessen, dass junge Mediziner nicht nur reiten, sondern auch segeln und Golf und Tennis spielen. Wenn sie das gerade nicht machen, sollen sie ja auch noch Patienten betreuen, sagt man.

Mit sportlichen Aktivitäten startet demnächst Folge VII.

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