Der Schwarze Vere schlägt zu …

Und wie er zuschlägt, so, dass er uns einige stilistische Trümmer hinterlassen hat. Hagel und Kälte konnten aber der Theateraufführung nichts anhaben, meint die Rezensentin der Schwäbischen Zeitung: „Nach einem von Unwettern gebeutelten Auftakt ist Ewald Reichles historische Komödie Der Schwarze Vere kommt bisher zweimal in voller Länge und trockenen Fußes über die Bühne gegangen“ (Schwäbische Zeitung, 12. 06. 2018). Ja, der Vere schlug halt erst die Fensterscheiben und dann den Weg nach Spöck ein. Nur so konnte das Stück in voller Länge und trockenen Fußes über die Bühne gehen.
Nicht nur nach Spöck, nach Österreich musste Xaver Hohenleiter gehen, „um als Desertierer nicht ausgeliefert zu werden“ (Ostracher Blätter, Mai 2018). Aber der Deserteur wird von den Österreichern an der Grenze nicht abgewiesen, sondern findet dort sogar eine geringfügige Beschäftigung. Ganz anders ergeht es da dem einäugigen Fidelis. Der „dient drei Jahre bei einem Bauer als Unterknecht“ (Ostracher Blätter). Hoffentlich hat der Fidels in dem (Vogel) Bauer den Vere nicht verpfiffen, denn dies hätte dem Bauern sicher gefallen. Auch Württembergs König Friedrich hätte des Fidelis‘ Verhalten wenig berührt, galt er doch „als besonders insensibel“ (Ostracher Blätter). Die Schmerzunempfindlichkeit dieses unsensiblen Königs, der sich nach der „französischen Revolution“ (Ostracher Blätter) schamlos bereicherte, half den Armen wenig. Sie konnten sich auch nach der Französischen Revolution kein Fleisch leisten, „viel weniger wenn ihr Einkommensquellen durch Arbeitslosigkeit wegfällt“ (Ostracher Blätter). Wenn die Einkommensquellen wegfallen, sieht es natürlich schlecht aus, deshalb werden in vielen Orten Württembergs Beschäftigungsanstalten eingerichtet, „um die Arbeitslosen ins Brot zu setzen“ (Ostracher Blätter). Besser im Brot sitzen, als bei Wasser und Brot sitzen; am besten aber ist es, wenn man in Lohn und Brot steht, dann kann man überall sein Brot finden.
Das sieht auch König Wilhelm I. von Württemberg so. Deshalb erlässt er für eine Reihe kleinerer Delikte eine „Amnesie“ (Ostracher Blätter). Nun wäre natürlich eine Amnestie für die Delinquenten besser als eine Amnesie. Es muss ja nicht gleich ein Gedächtnisschwund sein, manchmal reicht ein heilsames Vergessen, um die Dinge zu ertragen. So sind die Ostracher Blätter über den Schwarzen Vere inhaltlich eine gelungene Sache. Wenn es in RegiOnline vom 24. 05. 2018 allerdings heißt: „Für 2 Euro ist dieses Machwerk dann zukünftig im Rathaus … zu haben“, so muss man dem entschieden widersprechen. Es handelt sich um kein minderwertiges, schlecht gemachtes Produkt. Wer dies behauptet, den muss man wie die Bauersfrau in dem Theaterstück „wieder zur Fasson bringen“ (RegiOnline, 10. 06. 2018). Oder sollte hier etwa Raison gemeint sein?

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