Ostrach leuchtet

Heller Schein in Ostrach im Advent? In Bad Saulgau und in Scheer schon, aber auf ganz andere Art. Scheer? Eine Gemeinde im Kreis Sigmaringen, wie Ostrach auch. Allerdings nur 2500 Einwohner, also nicht mal halb so groß wie Ostrach. Aber eine „Bürger – App als direkter Draht zum Rathaus“, berichtet die Schwäbische Zeitung am 09. 12. 2017. Kommunikation mit der Gemeindeverwaltung im Zeitalter der Digitalisierung, eine kostenlose App sowohl für Android- als auch Apple-Geräte, damit Bürger Zugriff auf die Unterlagen der Gemeinderatssitzungen haben; mit integriertem „Kümmerkasten“, damit die Bürger melden können, wenn z.B. eine Straßenlaterne nicht funktioniert. Auch meint der Bürgermeister dieser kleinen Gemeinde, dass junge Leute sich lieber mit Hilfe einer App über das kommunalpolitische Geschehen informieren würden.
Das sieht auch die Stadtverwaltung in Bad Saulgau so. „Eine Bürger-App für iPads und Tablets ermöglicht es Bürgern, sich auf öffentliche Sitzungen der städtischen Gremien besser vorzubereiten“, schreibt die Schwäbische Zeitung am 06. 12. 2017. Und der Sprecher der Stadtverwaltung fährt fort: „Über die Homepage der Stadt ist das bei uns schon lange möglich. Aber mit der App ist das natürlich komfortabler“.
Bad Saulgau hat 17000 Einwohner, Scheer hat 2500 Einwohner und die Gemeinde Ostrach 6800 Einwohner. Bad Saulgau und Scheer sind innovativ.
Zur Erinnerung: Als im Juli 2016 der Ostracher Gemeinderat über die Einführung eines Ratsinformationssystems diskutierte, berichtete die Schwäbische Zeitung mit der Überschrift „Ostrach will transparenter werden“ wie folgt: „Hubert Frank, Ortsvorsteher von Magenbuch, gab zu bedenken, dass man solch ein System in einer Gemeinde wie Ostrach wahrscheinlich überhaupt nicht benötige. ‚Die Kosten würden den Haushalt auch in Zukunft belasten‘, sagte er. Deshalb müsse man sich überlegen, ob es dann auch einen dementsprechenden Nutzen bringe. ‚Immerhin schalten wir nachts das Licht aus‘, sagte er. Alois Müller sah das ähnlich. ‚Solch ein System ist für Ostrach zu kompliziert‘, sagte er“ (Schwäbische Zeitung, 19. 07. 2016).
Seltsame Ansichten von Ortsvorstehern und Gemeinderäten in Zeiten der Digitalisierung. Da soll die Gemeinde Ostrach binnen 10 Jahren umfassend mit einem Glasfasernetz überzogen werden, und zwar mit einer sog. FTTB-Infrastruktur, die nahezu unbegrenzte Up – und Downloadraten ermögliche, so zumindest die BLS-Vorlage zur Gemeinderatssitzung am 13. 12. 2017. Gleichzeitig gibt es Leute in diesem Gremium, die bei den Möglichkeiten, die moderne Technologie bei der politischen Kommunikation und Partizipation der Bürger bietet, nach dem Nutzen fragen und ihren Diskussionsbeitrag mit dem „Argument“ krönen: „Immerhin schalten wir nachts das Licht aus.“

Was definitiv nicht stimmt! Festliche Beleuchtung wird es in der Maria-Ferschl-Straße geben. Da brennen dann nicht nur die Kerzen eins, zwei, drei, vier, sondern alle Straßenlampen. Werbeanlagen, die „aufgrund der attraktiven und gut einsehbaren Lage“ (Bebauungsplan und örtliche Bauvorschriften Interkommunales „Gewerbegebiet Königsegg“) in einer Höhe bis zu 10 m entstehen werden, werden bestrahlt; selbstleuchtende Werbung wird die Nacht erhellen. Niemand wird nachts das Licht ausschalten.
Ob sich das wohl mit einer App ändern ließe?

In diesem Sinne:
„Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die dritte Kerze brennt.“

 


Im Advent aufgelesen:
Dass die Bahn im Advent zu dieser Selbstironie fähig ist, niemand hätte das vermutet. Man kann natürlich die Werbung durch Anklicken noch vergrößern, um den hintersinnigen Text zu lesen. (Fundstelle: Süddeutsche Zeitung vom 14. 12. 2017)

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