Gewerbegebiet mit Gesang

Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.
(Bertolt Brecht, Die Moritat von Mackie Messer)

Sie trafen sich im Dunkeln, sie trafen sich bei Schneetreiben und eisiger Kälte. Ein Wetter wie in Shakespeares Dramen, wo bei Donner und Blitz die Hexen orakeln „ Fair is foul, and foul is fair“ (Recht ist schlecht, und schlecht ist recht), oder wie bei Fontane in der „Brück‘ am Tay“, wo die Hexen zischeln: „Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand!“ Dezember ist es in Fontanes Ballade und Nacht. „Wie Splitter brach das Gebälk entzwei. / Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand.“  Schlechte Vorzeichen für die Einweihung eines Gewerbegebietes, dessen Erschließung runde 2 Millionen Euro kostet. Da muss man sich als Bürgermeister und Gemeinderat schon warm anziehen. Von „warm eingepackten Vertretern der beteiligten Gemeinden“ berichtet auch deshalb der Südkurier, als man sich am 01. 12. 2017 im Gewerbegebiet „Königsegg“ traf. Und wie um die bösen Vorzeichen zu bannen, stimmten Bürgermeister und Gemeinderat aus Riedhausen, dem Geist des Ortes (genius loci) gehorchend, Maria Ferschls Adventslied an:
„Wir sagen euch an den lieben Advent
Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Machet dem Herrn den Weg bereit!
Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr.
Schon ist nahe der Herr.“
Wer also da in der Maria – Ferschl – Straße (oder Perschl – Straße?) im Gewerbegebiet Königsegg von einer heiligen Zeit singt, davon, dass man „der Güte hellen Schein“ in die dunkle Welt hineintragen solle, der muss sich bei allem Einweihungsgetue schon die Frage gefallen lassen, wie es denn um den hellen Schein in der Gemeinde Ostrach bestellt ist. Oder besser, wie es um die Belange der Bürger in dieser Gemeinde bestellt ist.

75 Prozent der Flächen im Gewerbegebiet seien reserviert oder bereits verkauft, so der Ostracher Bürgermeister mit geschwellter Brust und ähnlich lautend der Ostracher Wirtschaftsförderer. Auch sei eine Bedingung für die Vergabe von Flächen gewesen, dass Arbeitsplätze entstünden. Nun sind wir natürliche alle davon überzeugt, dass mit einer Eiersortieranlage die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften enorm ansteigen wird. Wenn dann der Wirtschaftsförderer in seinem Rechenschaftsbericht vor dem Gemeinderat noch kritisch bemerkt, dass rund 120 Facharbeiter in Ostrach gesucht würden, sei schon die Bemerkung angefügt, wer eigentlich in diesen Betrieben arbeiten soll, wenn schon jetzt ein Fachkräftemangel herrscht.

Ostrachs Dilemma? Es geht um Gewerbeansiedlung, Industrieansiedlung, nicht um Bürger, nicht um Menschen. Die sollten aber Priorität haben.
– Leerstände im Einzelhandel, aber neue Gewerbegebiete am Anschluss an ein Wohngebiet.
– Fehlende Facharbeiter, aber keine Mietwohnungen in der Gemeinde.
– Eine alternde Bevölkerung, aber ein absehbarer Ärztemangel.
– Eine alternde Bevölkerung, aber kein Konzept für die Erweiterung von Pflegeplätzen.
– Ein Bannwaldturm für 750000 €, aber kein Ärztehaus.
– 70000 € für das Gemeindeentwicklungskonzept Ostrach 2030, aber keine konsequente Umsetzung der dort aufgeführten Vorschläge.
Und man braucht kein Prophet zu sein, dass die 30000 €, die der Gemeinderat am 03. 04. 2017 einstimmig für „planerische Maßnahmen im Kernort“ zur Verfügung gestellt hat, in den Sand gesetzt sind. Bis zur Sommerpause sollte ein Büro beauftragt werden. Bis jetzt hat die Öffentlichkeit noch nichts davon erfahren.

advent 1

 

Tja!
„Wir sagen euch an den lieben Advent
Sehet, die erste Kerze brennt!“

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