Veröffentlichungen durch Ostrachs Gemeindeverwaltung – Die alte Leier, das alte Lied

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, heißt eine der sprichwörtlichen Redensarten. Denkt man in diesem Zusammenhang an Ostrachs Verwaltung, hat der Krug einige Risse.
Trinkwasseranalysedaten werden von der Verwaltung nur nach Aufforderung den Bürgern mitgeteilt. Sie liegen irgendwo seit mehr als einem halben Jahr herum, bis sie schließlich, und dann nur nach Aufforderung, veröffentlicht werden. Der Entnahmezeitpunkt war der 22. April 2021. Veröffentlicht wurden die Analysedaten am Ende dieser Woche.
Die Beschlüsse aus nichtöffentlichen Gemeinderatssitzungen, die nach Gemeindeordnung in der folgenden Sitzung der Öffentlichkeit mitzuteilen sind, werden nur nach wiederholter Aufforderung mitgeteilt. Unterlagen für Gemeinderatssitzungen werden immer mal wieder nicht auf das Ratsinformationssystem hochgeladen.
Protokolle bzw. Beschlüsse der Gemeinderatsitzung werden nicht, wie dies die                 Gemeindeordnung vorschreibt(§ 41 b Abs 5 GemO), innerhalb einer Woche nach der Sitzung auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht.
Dass eine Kämmerei im Wiederholungsfall 400 000 € für einen Kunstrasenplatz, für den der Gemeinderat lediglich 250 000 € bewilligte, im Jahresabschluss und im Haushaltsentwurf ausweist, ist schon nicht mehr der Rede wert.
Ein Lichtblick gibt es allerding: Die Nitratwerte (Rohwasser) mit Datum vom 30. 09. 2021 mit den phantastischen Werten von 46,8 Spitzbreite und 57,5 Zoznegg wurden diesmal unaufgefordert auf die Homepage der Gemeinde hochgeladen. Sonst musste die Verwaltung regelmäßig dazu aufgefordert werden.

Und da der Optimismus angeblich zum Glauben an  das Unwahrscheinliche verführt, wurde die folgende E-Mail am 15. Oktober an den Bürgermeister der Gemeinde Ostrach geschickt; schließlich ist er laut Gemeindeordnung der Leiter der Gemeindeverwaltung:

Sehr geehrter Herr Schulz,
was ist nur mit Ostrachs Gemeindeverwaltung los?
Am 17. 02. musste ich daran erinnern, dass Unterlagen für eine Gemeinderatssitzung nicht wie in § 41b GemO vorgeschrieben auf das Ratsinformationssystem hochgeladen wurden.
Am 26. 02 und 30. 06.musste ich daran erinnern, dass Beschlüsse aus nichtöffentlichen Sitzungen nach § 35 GemO der Öffentlichkeit mitzuteilen und nach §41b, Absatz 5 GemO auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen sind.
Am 10. 10 und am 13 10. musste ich daran erinnern, dass die
Trinkwasseranalysedaten der 7 Versorgungsbereiche nicht veröffentlicht werden.
Und jetzt muss ich daran erinnern, und zwar mit Nachdruck, dass die Verwaltung schon wieder gegen die Gemeindeordnung (§ 41 b Abs 5 GemO) verstößt.: „Die in öffentlicher Sitzung des Gemeinderats oder des Ausschusses gefassten oder bekannt gegebenen Beschlüsse sind im Wortlaut oder in Form eines zusammenfassenden Berichts innerhalb einer Woche nach der Sitzung auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen.“ Die Beschlüsse der Gemeinderatssitzung vom 04. 10. sind nicht auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht!

Sehr geehrter Herr Schulz, ich bin kein Beckmesser, Sie nicht Hans Sachs, Ostrachs Gemeindeverwaltung kein Opernchor. Aber was ich hier inzwischen vernehmen muss, um in der Sphäre der Musik zu bleiben, ist Kakophonie und Guggenmusik, kurz eine Häufung von Dissonanzen, die in einer öffentlichen Verwaltung nicht vorkommen dürfen.
Es ist höchst Zeit, dass der Dirigent dieses Ensembles den richtigen Takt vorgibt.

Mit freundlichem Gruß
Franz Schreijäg

Es sei an dieser Stelle aber auch eingeräumt, dass es auf Ostrachs Gemeindeverwaltung viele Mitarbeiter gibt, die sorgfältig und verantwortungsbewusst ihrer Pflicht nachkommen.

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Presse und Sprache – Dem Volk auf das Maul sehen XIX

„Wir haben / bei konstruktiven Gesprächen festgestellt /, dass wir / gemeinsame Schnittmengen haben /, was gut ist, weil / die zukünftige Reformregierung / sich großen Herausforderungen stellen muss.“ Sätze wie dieser haben inhaltlich eine ähnliche Bedeutung wie etwa die Aussage: „Ökkel pökkel schratzimeng, maptuke watzlawick“, schreibt Kurt Kistner in seinem Newsletter Deutscher Alltag (Süddeutsche Zeitung) vom 05. Oktober und macht sich so richtig über die Habeck-Baerbock-Lindner-Sprechblasen lustig. Dabei fing das mit den Hohlphrasen schon viel früher an, was die Süddeutsche Zeitung mit folgendem Satz kommentiert: „In Deutschland wird gewahlkämpft, als gäbe es kein Europa“ (Süddeutsche Zeitung, 15. 09. 2021).

Es wird nicht nur gewahlkämpft in Deutschland, es wird genäht, zusammengestrickt und geschlachtet, und zwar dann, wenn es um den Haushalt geht. „Wie viel Luft ist im Haushalt?“, fragt die Schwäbische Zeitung am 23. 09. 2021. Sei der doch schon heute „auf Kante genäht“, werde „seit Jahren zusammengestrickt“ und zudem will jemand „das Sparschwein des Finanzministeriums schlachten.“ Ach ja, es wird nicht nur genäht, gestrickt und geschlachtet; es wird auch gesegnet. „Das Bundeskabinett hat ihn abgesegnet“, den Haushalt.
Aber nicht nur in Berlin geht es um viel Geld; auch in unserer Gegend geht es um Millionen. Handelt es sich doch bei der Kelten- und Naturerlebniswelt auf der Heuneburg um ein millionenschweres Konzept, wie man der Schwäbischen Zeitung vom 09. 09. 2021 entnehmen kann. Vor allem geht es um die Infrastruktur, „aber auch (um) eine verkehrliche Anbindung.“ Verkehrlich? Ja eben „die verkehrliche Erschließung eines Siedlungsgebietes“ führt der Duden dazu aus. Nun, das war nicht immer so. Verharre doch etwa „Martin Luther also gantz verstockt und verkerlich in seinen offenbaren ketzerischen opinionen“, meint einer 1734 und Luther selbst ist der Ansicht: „…ich will nicht verkehrlich deuten.“ Tja, was früher schädlich und verkehrt war, wie man dem Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm entnehmen kann, ist heute Teil der Infrastruktur.

Ausgesprochen schädlich geht es bei unseren Landwirten zu. Musste doch ein Landwirt aufgrund der anhaltend feuchten Witterung „etwa jede Woche über die Felder und Fungizide spritzen, um einen Befall der Pflanzen zu verhindern“ (Schwäbische Zeitung, 14. 09. 2021). Bei so viel Fungizidie haben die Pilze keine Chance mehr – die Insekten aber auch nicht.
Keine Chance hatte auch der FC Ostrach gegen Mengen. „Ostrach rührt nun richtig Beton an. Es ist zu spüren, dass die Zebras auf dem letzten Haferkorn kauen“, können wir der Schwäbische Zeitung vom 06. 09. 2021 entnehmen. Weniger Beton und mehr Hafer, dann wäre Musik drin, wenn die Zebras spielen.

Musik gab’s in Salzburg und Bad Saulgau. In Bad Saulgau konnte man Cellotöne hören, „die Zug um Zug zu einem Grummeln verblassten“. „Mächtige Wellenbewegungen“ waren zu hören und „liedhafte Momente des Cellos, die ein weiteres Mal zu knarzigen Brummtönen mutierten“ (Schwäbische Zeitung, 07. 07. 2021).
Von den Salzburger Festspielen berichtet die Süddeutsche Zeitung ganz hin- und hergerissen, dass die „Celli gleichsam harften“ und die „Bratschen geistvoll scharmuzierten und die Sänger „bis zum erotischen Gewisper“ sangen (Süddeutsche Zeitung, 27. 08. 2021).

Vom Konzertsaal hinaus ins Freie der Natur führt uns der Bericht der Schwäbischen Zeitung über die Amtseinführung eines Försters. Der ist jetzt mehr draußen im Wald, und das „gefällt auch seinen beiden Jagdhunden Anni und Cori, denn sie sind Spezialisten für die Suche von verletztem Wild und begleiten sein Herrchen im Außendienst in den Wäldern seines Forstreviers“ (Schwäbische Zeitung, 27. 09. 2021). Interessant. Also der Förster hat wohl ein Herrchen, denn die Hunde begleiten sein Herrchen. Gehen wir mal davon aus, dass sie gelegentlich auch ihr Herrchen auf der Jagd begleiten.

Ob Hoßkirchs Bürgermeister Hunde hat, ist nicht bekannt. Aber es ist schon ein dicker Hund, wenn man vor Gericht nicht die Wahrheit sagt, und deshalb wurde der Herr wegen Meineids zu einer ordentlichen Geldstrafe verurteilt, aber zu keiner beamtenrechtlichen Disziplinarstrafe. Denn „bei strafrechtlichen Verurteilungen zu Geldstrafen, insbesondere, wenn sie nicht den dienstlichen Bereich betreffe, sei laut dem Disziplinarrecht die Frage zu stellen, ob es neben der bereits verhängten Strafe einen zusätzlichen Bedarf für eine disziplinarische Ahndung gibt“, so die Schwäbische Zeitung am 06. 10. 2021 über diesen Fall.
„Laut dem Disziplinarrecht“ ist eigentlich überhaupt keine Frage zu stellen, wohl aber laut Disziplinarrecht. „Folgt (nach der Präposition laut) ein allein stehendes stark gebeugtes Substantiv im Singular, dann wird dieses nicht flektiert“   (Duden. Richtiges und gutes Deutsch). Manchen Journalistinnen will das absolut nicht einleuchten. Laut dem Duden ist das aber so!

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Bundestagswahl 2021 – Gedanken zur Bundestagswahl

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen
.
Nein, lieber Heinrich Heine, so schlimm ist es bei mir noch nicht. Obwohl, diese Trielle waren manchmal schon zum Heulen. Und am Donnerstag gab es sogar ein Septett.  Denk ich an die Wahlen, kann ich vor einigen Ereignissen bei Gott nicht die Augen schließen. Die hatte allerdings ein Chemnitzer Gericht fest geschlossen, bevor das Sächsische Oberverwaltungsgericht entschied, dass die Aussage Hängt die Grünen den objektiven Tatbestand der Volksverhetzung erfülle.
Wenn ich als einfacher Bürger an die Wahlen denke, fallen mir immer Rousseau und Brecht ein. Rousseau mit seinem Contract Social, in dem er von der Unveräußerlichkeit der Volkssouveränität spricht, und bezogen auf Wahlen in England meint: „Das englische Volk glaubt frei zu sein; es täuscht sich sehr; frei ist es nur während der Wahl der Parlamentsmitglieder; sobald sie gewählt sind, ist es Sklave, es ist nichts.“
Und Bertolt Brecht : „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus – Aber wo geht sie hin? Ja wo geht sie wohl hin? Irgendwo geht sie doch hin!“
Nun ja, sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen ausgeübt, heißt es im Grundgesetz, ebenfalls durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung. Sehr abstrakt das Ganze. Etwas konkreter wird es, wenn es um die Personen geht, die wir wählen, nämlich die Abgeordneten. Die seien Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. Ihrem Gewissen unterworfen? Oje!

Bei mir haben sich während dieses Wahlkampfes drei Wahlkreiskandidaten gemeldet. Gemeldet ist etwas übertrieben. Ich bekam Wahlkampfflugblätter in den Briefkasten gesteckt und eine Zeitung, eine Thomas-Bareiß-Zeitung. Diese Zeitung sei für die Menschen und für unsere Heimat. Interessant, eine Zeitung für Menschen. Ein besonderes typographisches Merkmal dieser Zeitung besteht darin, dass in dieser Zeitung das Wort und offensichtlich nicht bekannt ist und durch das Et-Zeichen (&) ersetzt wird, ein Zeichen, das gemeinhin bei Firmenbezeichnungen verwendet wird, weshalb in der Thomas-Bareiß-Zeitung die Firma Leidenschaft & Tatkraft sich im Einsatz für unsere Zukunft befindet. Tja, die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt, schreibt Wittgenstein in seinem Tractatus. Aber wenigstens werde ich von dem Wahlkreiskandidaten Bareiß korrekt angesprochen, nämlich als Sehr geehrter Herr und Sie. DIE LINKE dagegen redet mich in einem sehr vertrauten und sehr persönlichen Ton an: Du hast die Wahl. Wir brauchen dich. Nun bin ich weder mit Bernd Riexinger noch mit Herrn Marco Hausner per Du. Und Bertolt Brechts Aufforderung: „Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei! Wo dein Platz, Genosse, ist!“, mag vielleicht für Die Linke gelten, aber nicht unbedingt für mich. Die SPD dagegen ist hin- und hergerissen, und ich rede jetzt nicht von Koalitionsaussagen, sondern von dem vertrauten und distanziert- höflichen Verhältnis zum Wähler. Mal heißt es Soziale Politik für Dich, mal heißt es Für Sie Da. Der Kompromiss: Für uns!, meint der Kandidat Robin Mesarosch.
Und die Grünen? Was meint Johannes F. Kretschmann? Bereit, weil Ihr es seid. Ihr großgeschrieben. Pluralis Majestatis. Klar. Der souveräne Wähler ist die Majestät, ist der Kaiser, wenigstens für einen Tag, für einen Wahltag. Aber war da nicht Hans Christian Andersons Märchen von des Kaisers neuen Kleidern? „Aber er hat ja gar nichts an!“, sagt ein kleines Kind in dem Märchen. Wie auch! Rechnet man die Wahlversprechen alle zusammen, kommt das Institut der deutschen Wirtschaft zu dem Ergebnis, dass bereits im nächsten Jahr der Bund 37 Milliarden Euro verkraften müsste. 2025 wären es fast dreimal so viel. Mehrausgaben für den Umweltschutz und die Digitalisierung seien da noch gar nicht berücksichtigt. Und dann ist ja da noch der Corona-Fond, in den Deutschland nach Berechnungen des Bundesrechnungshofes 65 Milliarden Euro mehr einzahlt, als es selbst bekommt. Und da war doch noch etwas. Der Pandemie-Nachtragshaushalt. Womit die Neuverschuldung für 2021 auf den Rekordwert von 240,2 Milliarden Euro steigt. „Aber er hat ja gar nichts an!“, rief zuletzt das ganze Volk im Märchen. Im Märchen?
Oh Freund Heine, denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Was Stephan Link von der FDP dazu meint, weiß ich nicht. Als Oberstudienrat an einer kaufmännischen Schule müsste er sich eigentlich mit Geld und Schulden auskennen. Bei mir hat er sich auf jeden Fall nie gemeldet, um mir zu erläutern, was er denn in Berlin besser machen will. Eine Wahlbroschüre des Bundestagskandidaten Link von der FDP wurde mir auch nie zugestellt.
Auch Herr Nicolas Gregg von der AfD hat mir keine Wahlkampfpost geschickt. Herr Gregg machte sich überhaupt rar in diesem Wahlkampf. Aber das verstehe ich. Die AfD-Kandidaten lernen im Augenblick alle noch deutsche Gedichte auswendig, nachdem Herrn Chrupalla partout kein Gedicht einfallen wollte, als ihn der junge Alexander in einem Interview nach seinem Lieblingsgedicht fragte. Schon peinlich. Muss doch nach AfD-Wahlprogramm bereits ab der Grundschule das deutsche Kulturgut im Unterricht vermittelt werden; das fördere Heimatliebe und Traditionsbewusstsein. Ich empfehle übrigens den AfD-Kandidaten, Herrn Chrupalla und Herrn Gregg, Brechts Gedicht Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration. Mit Emigration kennen sich ja die Damen und Herren von der AfD bestens aus.

So. Und jetzt bin ich mal auf Sonntagabend gespannt. Ich hoffe, dass mich das Ergebnis nicht um den Schlaf bringen wird.

Bereit, weil I H R es seid. Aber er hat ja gar nichts an!

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Für Friedrich Merz sind Grüne, Greenpeace und NABU gegen Parlamentarismus und Demokratie

„Wir hören von vielen Grünen, auch von Vorfeld-Organisationen, von Greenpeace, von dem NABU, von allen möglichen Umweltorganisationen, das, was wir jetzt hier vor uns haben in Deutschland, ließe sich mit diesem System nicht ermöglichen. Dieses System, das sind für diese Organisationen demokratische Prozesse in den Parlamenten, und dieses System sind für diese Organisationen vor allem die soziale Marktwirtschaft.“ So Friederich Merz bei seinem Wahlkampfauftritt in Bad Saulgau. Und deshalb sind Greenpeace, NABU und alle möglichen Umweltorganisationen eigentlich verfassungswidrige Organisationen, sind sie doch gegen dieses parlamentarisch-demokratische System, das die Bundesrepublik Deutschland kennzeichnet. Eigentlich verstoßen sie mit ihren Forderungen ständig gegen die Verfassungsgrundsätze unserer Republik, wie sie in Artikel 20 des Grundgesetztes festgeschrieben sind. Aber nicht nur diese „Vorfeld-Organisationen“, auch viele Grüne sind gegen demokratische Prozesse, gegen den Parlamentarismus und natürlich gegen die soziale Marktwirtschaft, was immer Herr Merz darunter verstehen mag.

Zweifel an Demokratietreue – Naturschutzverbände empört über Merz-Äußerung, kann man auf t-online. am 10. 09. lesen.
Friedrich Merz gegen Umweltverbände: Wilde Behauptungen in Bad Saulgau
CDU-Mann Friedrich Merz hat Umweltverbände wie den Nabu zu Demokratiefeinden erklärt. Belege bleibt er schuldig. Die Empörung ist groß,
schreibt die taz dazu.

In unserer Lokalpresse sucht man vergeblich nach diesen hanebüchenen Behauptungen, die Herr Merz gegen Ende seines Wahlkampfauftritts in Bad Saulgau am Donnerstag, dem 09. 09. 2021 von sich gegeben hat. In der Schwäbischen Zeitung landet Friedrich Merz mit seiner Diamond DA62 auf dem Regio-Airport in Mengen, besitzt er doch einen Pilotenschein. „Er parkte die Maschine nach der Landung etwas abseits und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis der Wahlkampfbus des hiesigen CDU-Bundestagskandidaten Thomas Bareiß vorfuhr und Friedrich Merz einsammelte“, berichtet die Schwäbische über die Landung von Herrn Merz. Erst die Wirtschaft, dann der Klimaschutz, heißt es dann in der Überschrift des Berichts über den Wahlkampfauftritt des Piloten. Kein Wort über die „verfassungswidrigen Vorfeld-Organisationen“, das ist der investigativen Lokalpresse entgangen. Nicht so der taz, nicht so t-online., die berichten darüber.

Aber man kann ja auf der Facebook-Seite von Herrn Bareiß seinen Wahlkampfhöhepunkt mit Herrn Merz im Livestream anschauen. Die Äußerung findet man ziemlich am Schluss bei min 53:40 . Und es wundert niemanden, dass in den Kommentaren zu diesem Video die Claqueure der Meinung sind, es handle sich um einen fantastischen Auftritt, Herr Merz sei ein Mann mit Rückgrat, ja ein Juwel in der Politik. Dass dieses Juwel allerdings nicht einmal seine eigenen Mitstreiter in Laschets Zukunftsteam kennt, ist schon bedenklich. Als Merz die Namen des „Zukunftsteams“ von Laschet aufzählen soll, eiert er herum, berichtet u. a. focus. online. Ein gewisses egomanisches Verhalten dürfte in diesem Fall nicht ganz von der Hand zu weisen sein.

Dass der CDU-Politiker und Bundestagskandidat Friedrich Merz kein Freund z. B. des NABU ist, kann man anhand der folgenden NABU-Kernforderungen überprüfen. Dabei schneidet die CDU einfach nicht gut ab. Sind deshalb NABU und andere Umweltorganisationen Demokratiefeinde?

 

NABU, Naturschutz heute.Herbst 2021

Ach ja, noch etwas: Wenn am Freitag der NABU Wildblumensamen auf dem Ostracher Wochenmarkt verkauft, passen Sie bloß auf. Dies ist ein Täuschungsmanöver. Hinter dieser Aktion verbirgt sich doch nichts anderes als der Versuch von Umweltschützern, von ihren eigentlichen Zielen abzulenken, nämlich der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und der Beseitigung der sozialen Marktwirtschaft.

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Umweltschutz kannten wir nicht

Umweltschutz kannten wir nicht. War auch nicht nötig. Wir waren früher schon immer Umweltschützer. Ein provozierendes Video, ein provozierender Text.

Man kann das Video dazu anschauen und hören: Umweltschutz kannten wir nicht

oder den Text dazu lesen. Den Text gibt es als PDF-Datei: Umweltschutz

Dieser Text, dieses Video, gibt Anlass zum Nachdenken. Meine Stellungnahme dazu gebe ich hier wieder:

„Ja, wissen Sie, unser Problem ist nämlich, dass Ihre Generation sich keine Gedanken darüber gemacht hat, in welch schlechtem Zustand sie die Umwelt uns und den zukünftigen Generationen hinterlässt“, meint die Kassiererin in dem Video.  Umweltschutz sei ein Fremdwort für die alte Dame, die offensichtlich in meinem Alter sein dürfte. Viele Verhaltensweisen der Frau kommen mir sehr bekannt vor. Sprudel- und Bierkiste wurden geliefert, die Milch holte ich ebenfalls beim Milchhändler in der Kanne. Auf dem Nachhauseweg machte ich damit die ersten Erfahrungen und Versuche mit Zentripetal- und Zentrifugalkräften. Aber Umweltschutz kannte ich ebenfalls nicht. Mit dem Einkaufsnetz machte ich für meine Mutter Besorgungen im Konsum, später fuhr ich mit dem Fahrrad in die Schule. Umweltschutz kannte ich ebenfalls nicht.
Ich hätte ihn aber kennen können, wenn er Teil des Bewusstseins der 50er und 60er Jahre gewesen wäre. Es war also keine bewusste und reflektierte Entscheidung, Milch in der Kanne zu holen, mit dem Netz einzukaufen und mit dem Fahrrad in die Schule zu fahren. Es waren Gebote der Notwendigkeit, andere Möglichkeiten gab es nicht. Und genau das regt mich an dem Video auf. Die alte Dame tut so, als sei ihr Verhalten wohl überlegt, und damit habe sie die Umwelt schon immer geschützt. Irrtum! Es ist keine bewusste Entscheidung, die sie getroffen hat.
„Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz – war auch gar nicht nötig …“ Und wie er nötig gewesen wäre! Meine Mutter als Teeny, damals hieß das noch Backfisch, hatte mit ihren Freundinnen so um 1928 noch in der Donau gebadet. Kein Problem. Ihr Sohn konnte das in den 50er und 60er Jahren nicht mehr. Die Donau war verschmutzt, und das lag nicht nur an den Gerbereien, die ihre Abwässer in die Donau ließen. Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz, war auch nicht nötig. O nein! Weil wir keinen Umweltschutz kennen wollten, weil wir verdrängten, haben wir jetzt den Schlamassel. Wir haben bedenkenlos Briketts und Koks verbrannt, weil wir keinen Umweltschutz kannten – und das wäre so nötig gewesen.
Wir hätten es wissen können, müssen. Vor mir liegt ein vergilbtes Taschenbüchlein aus dem Rowohlt Verlag, 1973. Hier ein Auszug aus dem Vorwort:
„Das Fazit ist eindeutig: Unser Bevölkerungs- und Produktionswachstum ist ein Wachstum zum Tode. Der teuflische Regelkreis. — die Menschheitszunahme als Ursache und Folge der Ausplünderung unseres Lebensraums — kann nur durch radikale Änderung unserer Denkgewohnheiten, Verhaltensweisen und Gesellschaftsstrukturen durchbrochen werden. Fortschrittsglaube und Leistungswillen dürfen sich nicht länger an der Zuwachsrate des Bruttosozialprodukts ausrichten. Das technische Potential und die wissenschaftliche Kapazität der Industrienationen müssen zum weltweiten Ausgleich des sozialen Gefälles, zur Verbesserung von Geburtenkontrolle, Ernährung und medizinischer Versorgung, zur Entwicklung haftbarer Produkte, zur Wiederverwendung der Abfälle und zur Gewinnung rohstoffunabhängiger Energiequellen eingesetzt werden. Der Zustand eines stabilisierten Gleichgewichts, der nach den Berechnungen des Meadows-Teams erreichbar ist, würde nicht nur den absehbaren Zusammenbruch des Mensch-Umwelt-Systems verhindern, sondern einer auf ihre doppelte Anzahl begrenzten Erdbevölkerung neben ausreichendem Lebensstandard größere Chancen einer individuellen und sozialen Entwicklung bieten.“
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, aus welchem Bericht diese Einschätzung stammt.
„Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz, war auch gar nicht nötig…“. Welch ein Irrtum.

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Goethe zum zweihundertzweiundsiebzigsten Geburtstag

„Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war glücklich; die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau, und kulminierte für den Tag; Jupiter und Venus blickten sie freundlich an, Merkur nicht widerwärtig; Saturn und Mars verhielten sich gleichgültig: nur der Mond, der soeben voll ward, übte die Kraft seines Gegenscheins um so mehr, als zugleich seine Planetenstunde eingetreten war. Er widersetzte sich daher meiner Geburt, die nicht eher erfolgen konnte, als bis diese Stunde vorübergegangen […] durch Ungeschicklichkeit der Hebamme kam ich für tot auf die Welt, und nur durch vielfache Bemühungen brachte man es dahin, daß ich das Licht erblickte.“
Der Jubilar, der also auf den Tag genau vor 272 Jahren am Großen Hirschgraben in Frankfurt beinahe nicht auf die Welt gekommen wäre, ist also unter einem glücklichen Stern geboren, behauptet er. Zumindest rückt er in seiner Autobiographie die Planetenkonstellation so zurecht, dass es für ihn passt. Dichtung und Wahrheit eben.
Später wird er grundsätzlicher:

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.

Nein, er war kein Astrologe, eher naturforschend. Vielleicht ging es ihm auch um die Begrenztheit des Individuums, wie Erich Trunz in seinem Kommentar zu diesen Versen aus der ersten Strophe von Urworte. Orphisch meint.

Und diese Begrenztheit erfahren wir alle, wenn wir z. B. Richtung Eifel und in das Tal der Ahr schauen.
Als hätte er es schon immer gewusst, beschrieb er sein Verhältnis zur Natur u. a. mit diesen Worten:
„Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen. Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist war noch nie, was war kommt nicht wieder – Alles ist neu und doch immer das Alte. Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremde. Sie spricht unaufhörlich mit uns und verrät uns ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie und haben doch keine Gewalt über sie.“
Später konnte er sich nicht mehr genau erinnern, ob er das denn geschrieben habe. Jedoch stimmten diese Überlegungen mit seinen Vorstellungen wohl überein, wie er 1828 versicherte.

Der 25-jährige Goethe lässt in einem der bekanntesten Briefromane der deutschen Literatur seinen larmoyanten Protagonisten das folgende erschreckende Bild der Natur entwerfen:
„Da ist kein Augenblick, der nicht dich verzehrte und die Deinigen um dich her, kein Augenblick, da du nicht ein Zerstörer bist, sein mußt; der harmloseste Spaziergang kostet tausend armen Würmchen das Leben, es zerrüttet ein Fußtritt die mühseligen Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein schmähliches Grab. Ha! Nicht die große, seltne Not der Welt, diese Fluten, die eure Dörfer wegspülen, diese Erdbeben, die eure Städte verschlingen, rühren mich; mir untergräbt das Herz die verzehrende Kraft, die in dem All der Natur verborgen liegt; die nichts gebildet hat, das nicht seinen Nachbar, nicht sich selbst zerstörte. Und so taumle ich beängstigt. Himmel und Erde und ihre webenden Kräfte um mich her: ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes Ungeheuer.“
Fluten, die die Dörfer wegspülen, das ewig verschlingende Ungeheuer Natur. Wir wirken beständig auf sie und haben doch keine Gewalt über sie. Als hätten wir es nicht schon immer wissen müssen. Unser Jubilar hat es wohl gewusst.

 

So ganz humorlos soll es ja auch nicht am heutigen Tag zugehen. Ist er, der Humor, doch, ohne selbst poetisch zu sein, eine Art von Poesie und erhebt uns seiner Natur nach über den Gegenstand, meint der Jubilar.

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Presse und Sprache- Dem Volk auf das Maul sehen XVIII

„Der Berg ruft“, heißt es bei Luis Trenker 1938, wenn es auf das Matterhorn geht. Bei der diesjährigen Tour de France war es der Mont Ventoux, der ruft, den es gar zweimal zu erklimmen galt. Und weil der Mons Ventosus, der Windige, so imposant ist, wird er in der Schwäbischen Zeitung zum „ikonischen Provence-Riesen Mont Ventoux“, zum „mythischen Mont Ventoux“ oder ganz respektlos zum „kahlen Riesen der Provence“ (Schwäbische Zeitung, 07. 07. 2021 und 08. 07. 2021). Das waren noch Zeiten, als Petrarca anno 1336 den Berg bestieg. „Dabei trieb mich einzig die Begierde, die ungewöhnliche Höhe dieses Flecks Erde durch Augenschein kennenzulernen“, schrieb er. Und auf dem Gipfel gibt es keine Punkte für die Bergwertung, sondern ein schlechtes Gewissen, denn er liest in Augustinus‘ Confessiones, dass die Menschen zwar die Gipfel der Berge bestaunen „und haben nicht acht ihrer selbst.“ Auweh! „Ich war wie betäubt“, schreibt er, sei doch außer der Seele nichts bewundernswert, kehrt in sich und steigt ab. Tadej Pogacar, der spätere Sieger der Tour, dürfte auf dem ikonisch-mythischen Gipfel kaum betäubt gewesen sein, fährt er doch nicht mit Augustinus‘ Bekenntnissen den kahlen Riesen der Provence hoch, sondern mit Kraftnahrung und hoffentlich dopingfreier Flüssigkeit im Fläschchen.

Von den Höhen des Mont Ventoux in die Niederungen der Politik: Hier versuchen unsere Kanzlerkandidaten ihre Biographien etwas zu beschönigen. Keine Chance haben sie nach der Schwäbischen Zeitung vom 03. 07. 2021: „Denn der Scheinwerferkegel leuchtet erbarmungslos jede noch so kleine Ecke im Lebenslauf aus.“ Schon gar nicht sollte man als Kanzlerkandidatin ein Buch verfassen, denn dann sind die Scheinwerferkegel noch erbarmungsloser, wie man der Süddeutschen Zeitung vom 05. 07. 2021 entnehmen kann: „Man sollte niemals ein Buch verfassen, sofern die Zeit nur reicht, beim Schreiben zu guttenbergen – selbst wenn das Werk nicht einmal ein ‚Sachbuch oder so‘ sein soll, wie ihr zu ihrer Verteidigung einfällt.“ Synonyme zu guttenbergen sind übrigens giffeyen und schavanen, manchmal auch baerbocken, aber nur manchmal; gebaerbockt wird nur im Sachbuch.
Es ist nicht bekannt, dass Manfred Manne Lucha guttenbergt oder baerbockt, allerdings wurde publik, dass er sich über Hubert Aiwanger, Bayerns Wirtschaftsminister, heftig empörte, als er von dessen Haltung zur Corona-Impfung hörte. „Das ist ein Schlag ins Gesicht jeden Gesundheitsministers“, sagte er. „Für mich wäre es nicht vorstellbar, dass jemand in unserem Kabinett so argumentiert wie Herr Aiwanger“, teilte er der Schwäbischen Zeitung am 06. 08. 2021 mit. Jeden Gesundheitsministers oder jedes Gesundheitsministers? Beides geht. Minister sind starke Männer, bei einem starken Maskulinum geht jeden und jedes. Nicht jedoch beim Ministerpräsidenten. Ob er es will oder nicht, grammatisch gesehen ist der Ministerpräsident ein schwaches Maskulinum, also jedes Ministerpräsidenten. Das weiß der Manne Lucha, ist er doch ein starker Minister.
Armin Laschet ist Ministerpräsident, also schwach, zumindest wankelmütig, wenn es um das Thema Impfung geht. Tests seien ja auch möglich, um zu Veranstaltungen zu gehen, meinte er. Von wegen! „Tests bieten nicht die gleiche Sicherheit wie Impfungen, das sollte Armin-hin-und-her-Laschet wissen“, polemisiert die Süddeutsche Zeitung am 09. 08. 2021. Da befindet sich Armin-hin-und-her-Laschet in bester Gesellschaft, nämlich bei Hier-und-heute-Hansi. Der Fußballbundestrainer trifft nämlich „keine Entscheidungen, die einen verkopften Über- oder Unterbau besitzen, er ist ein Hier-und-heute-Hansi“, erfahren wir aus der Süddeutschen Zeitung am 10. 08. 2021.

Wie soll man jetzt allerdings nahtlos vom Armin-hin-und-her-Laschet und Hier-und-heute-Hansi zur Musik übergehen? Am besten mit dem Guarneri-Trio, das in Bad Saulgau gastierte, denn das spielte nahtlos, wie man der folgenden Besprechung entnehmen konnte: „Das schwärmerische Thema, mit dem Marek Jerie am Cello den ersten Satz „Molto Allegro agitato“ einleitet, geht nahtlos zur Violine über […] Im „Andante con moto tranquillo“ fließt das Anfangsmotiv nahtlos vom Klavier zu den Streichern über […] Im „Andante“ wechselt das liedhafte Anfangsmotiv nahtlos zu den Streichern […] Im „Finale“ wechseln tobende, herausfordernde Themen mit liebevollen, manchmal geheimnisvollen nahtlos ab…“ (Schwäbische Zeitung, 04. 08. 2021). In Wagners Opern dagegen geht es selten nahtlos zu, eher dramatisch, besonders in Tristan und Isolde, geht es doch um Liebe und Tod. „Das Orchestermeer steht für das ideale Liebesidyll, fernab vom trubeligen Tag und der noch trubeligeren Gesellschaft. Der finale ‚Liebestod‘, der Begriff stammt nicht von Wagner, ist bei Petrenko eine Hymne ans Leben und an die Liebe“ (Süddeutsche Zeitung, 01. 07. 2021). Also nicht nahtlos, sondern trubelig nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Im trubeligen Hoßkirch gab es eine Messerattacke, die vor Gericht verhandelt wurde. Das Gericht hat ein Urteil gefällt und den Täter verurteilt. Nicht so in schwäbische online vom 23. 07. 2021. Laut schwäbische online ist das Urteil gefallen: „Messerangriff in Hoßkirch: Das Urteil ist gefallen“. Manche Journalisten fallen auf die Nase, wenn sie glauben, Urteile über andere fällen zu müssen.

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Ostrachs Baumbibliothek – ein Bild des Jammers

Bibliothek, die : Einrichtung zur systematischen Erfassung, Erhaltung, Betreuung und Zugänglichmachung von Büchern  (Duden. Deutsches Universalwörterbuch).

… man fühlt sich beim Beschauen einer Biblothek wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet (Goethe, Tag-und Jahreshefte 1802).

Ostrachs Baumbibliothek: Eine Einrichtung zur Erhaltung und Zugänglichmachung von Büchern, eine Einrichtung, die geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet?

Ansonsten gilt: Der Worte sind genug gewechselt / Lasst uns hier nur die Bilder seh’n:

13. 08. 2021

Von der Baumbibliothek war hier schon einmal die Rede – ziemlich euphorisch. Aber das ist lange her. Baumbibliothek im Sommerloch hieß es 2018. Übrigens war damals in dem Artikel die Rede von einem Schmuckstück.

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Ostrach und die biologische Vielfalt

Einige kritische Bemerkungen zu einer Auszeichnung für biologische Vielfalt

Ostrach schaffe Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und Wildpflanzen mitten im Siedlungsraum, konnte man einer Mitteilung der Schwäbischen Zeitung vom 07. 08. 2021 entnehmen. Dafür erhielt Ostrach zusammen mit 60 anderen Kommunen in Baden-Württemberg eine Auszeichnung.
Unter Federführung des Bauhofs und des NABU wurden in Ostrach auf einer Gesamtfläche von 1,8 ha heimische Blumen, Stauden und Gehölze angepflanzt. Diese Aktion ist vorbehaltslos zu begrüßen, sie ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Diese Aktion ist aber auch der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Artenreiche Wildblumenwiesen und wertvolle Biotope sind das eine, gigantischer Kiesabbau und Flächenversieglungen durch Gewerbegebiete und überdimensionierte Bauplätze das andere.

So weist der jüngst verabschiedete Regionalplan auf der Gemarkung Ostrach eine Fläche von 198,2 ha für den Kiesabbau aus:

Kiesgrube Wagenhart (Süd-Nassabbau) 8,6 ha
Kiesgrube Wagenhart (Kernbereich Süd) 67,3 ha
Kiesgrube Wagenhart (Außenbereich Süd) 20,7 ha
Kiesgrube Wagenhart (Ost) Sicherung 55,9 ha
Ostrach Am Tafertsweiler Weg 15,7 ha
Kiesgrube Jettkofen-Lohstock 14,7 ha
Kiesgrube Ostrach-Ochsenbach 8,9 ha
Kiesgrube Ostrach-Ochsenbach Sicherung 6,4 ha

Dass Ostrachs Gemeinderat noch zusätzlich 75 ha zum Kiesabbau im Wagenhart angeboten hat, wurde in diesem Blog schon heftig kritisiert (siehe u.a. Stellungnahme des Gemeinderates Ostrach zum Regionalplan).

Ebenfalls weist der Regionalplan für die Gemeinde Ostrach 22 ha für das sog. Interkommunale Gewerbegebiet Königsegg aus, zusammen mit den Gewerbeflächen Weidenhalde (4,2 ha) und Heiligenberger Straße (5,32 ha) ergibt dies 31,52 ha bereits durch den Gemeinderat beschlossener und potentieller Gewerbeflächen.

Zwischen 2017 und 2019 wurde von Ostrachs Gemeinderat Bauplätze vor allem nach 13 b BauGB in der Summe von 27,14 ha verabschiedet (Flächenversieglung in der Gemeinde Ostrach).

58,66 ha sind somit in Ostrach zur Flächenversieglung freigegeben; 198,2 ha sind für den Kiesabbau vorgesehen oder freigegeben. 1,8 ha Blumenwiesen stehen dem gegenüber. Das eben ist der Tropfen auf den heißen Stein.

Und wenn jüngst in einem ungemein kritischen Interview [sic] der Schwäbischen Zeitung vom 03. 08. 2021 Ostrachs Wirtschaftsförderer behauptet, Ostrach könne einen sanften Tourismus mit Naturerlebnissen anbieten, sodass zum Beispiel auch der E-Bike-Boom durch Ostrach führe, so sei die Bemerkung erlaubt, wie vor dem Hintergrund dieser Zahlen für die in Ostrach Lebenden und Wohnenden Naturerlebnisse stattfinden, und es sei auch die Bemerkung erlaubt, dass jenseits des berühmten Bannwaldturmes eine Fahrt mit dem E-Bike zwischen Mais und Silphie vonstattengeht. Naturerlebnisse sehen anders aus.

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Impfen ist die erste Bürgerpflicht

„Impfen ist erste Bürgerpflicht“, sagt Ministerpräsident Kretschmann in seiner Corona – Fernsehansprache am 31. Juli. Impfen sei der Weg zur Freiheit. Und wo der Ministerpräsident recht hat, hat er recht. Eigentlich ist ihm uneingeschränkt zuzustimmen. Eigentlich.
Nur diese Aufforderung mutet seltsam an. Da war doch etwas mit der „ersten Bürgerpflicht“? Ist das nicht ein verfremdetes Zitat? Aus dem Zusammenhang gerissen? Es kommt einem irgendwie so bekannt vor. Na klar! Nicht Impfen ist die erste Bürgerpflicht, Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. So heißt das richtig. Und das war 1806. 1806 ließ der preußische Minister Graf Schulenburg nach der Schlacht von Jena und Auerstedt an die Straßenecken Berlins ein Flugblatt anschlagen auf dem stand: „Der König hat eine Bataille verloren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht.“
Da wurde also die preußische Armee in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt von Napoleons Truppen vernichtend geschlagen, deshalb die Aufforderung des Grafen Schulenburg, die Ruhe zu bewahren, Ruhe sei jetzt die erste Bürgerpflicht.

Und jetzt? Im Sommer 2021? Jetzt ist Impfen die erste Bürgerpflicht. Ja haben wir denn eine Bataille verloren? Haben die SARS-CoV-2-Virusvarianten uns schon vernichtend geschlagen wie weiland die Franzosen die Preußen? Oh Herr Minischterpräsident! Man sollte bei seinen verfremdeten Zitaten schon noch auf den historischen Kontext achten, aus dem sie gerissen sind, auf den sie (unfreiwillig) anspielen und zu gar seltsamen Assoziationen Anlass geben. Schnell geht sonst bei einem gut gemeinten Rat der Schuss daneben oder gar ins Knie, um jetzt sprachlich in der Sphäre des Schießens und Kämpfens zu bleiben.
Aber zur Ehrenrettung sei gesagt: Impfen ist der Weg ins Freie, Impfen ist nicht nur gesundheitlich notwendig, es ist auch ethisch begründbar, das hat Herr Kretschmann auch gesagt. Und da hat er recht.

Aus rbb Preußen. Chronik eines deutschen Staates

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Gendersternchen oder Weißt du wieviel Sternlein stehen


Per aspera a astra

„Sternchenthema“ konnte man in der Schwäbischen Zeitung vom 28. 07. 2021 in der Überschrift auf Seite 2 lesen. Sternchenthema? Das Abitur war doch vorbei! Goethes Faust und Hesses Steppenwolf im Fach Deutsch konnten ad acta gelegt werden, auch Brechts Galilei. Es lägen große Teile dieser Welt im Dunkeln, sagt Galilei in der ersten Fassung des Schauspiels. „Die Finsternis hat dort sogar noch zugenommen! Nimm dich in acht, wenn du durch Deutschland fährst“, sagt der Physiker und Astronom zu seinem Schüler Andrea.
Wenn man die folgende Meldung aus dem Kultusministerium laut Schwäbischer Zeitung vom 26. 07. 2021 liest, muss man eigentlich zu dem Ergebnis kommen, dass Brechts Galilei recht hat: Die Finsternis hat in Baden-Württemberg zugenommen:

Kultusministerium offen für Gendersternchen an Schulen
Stuttgart (lsw) – Das Kultusministerium Baden-Württemberg überlässt es einem Bericht zufolge den Schulen, ob sie Genderzeichen wie das Sternchen in Aufsätzen und Prüfungen zulassen. „Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule für geschlechtergerechte Sprache sensibilisiert werden, und das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist ja auch im Bildungsplan verankert“, sagte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) den „Stuttgarter Nachrichten“ (Montag). „Und gut ist es auch, wenn Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren.“

Baden-Württembergs Kultusministerin, Frau Theresa Schopper, studierte laut Wikipedia Soziologie, Psychologie und Kriminologie. Es gehört schon kriminalistischer Scharfsinn und psychologisch-analytische Kompetenz dazu, wenn man zu dem Ergebnis kommt, dass „Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren“ können.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung sieht das etwas anders:

„Der Rat für deutsche Rechtschreibung bekräftigt in seiner Sitzung am 26.03.2021 seine Auffassung, dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll und sie sensibel angesprochen werden sollen. Dies ist allerdings eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden kann. Das Amtliche Regelwerk gilt für Schulen sowie für Verwaltung und Rechtspflege. Der Rat hat vor diesem Hintergrund die Aufnahme von Asterisk („Gender-Stern“), Unterstrich („Gender-Gap“), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) sieht dies genauso:

„Das Gendersternchen wird von der Gesellschaft für deutsche Sprache nicht empfohlen. Auch der Rechtschreibrat konnte sich bislang nicht darauf einigen, das Gendersternchen in das amtliche Regelwerk aufzunehmen. Wie Gendergap und Binnenmajuskel ist es kein Bestandteil der aktuellen Rechtschreibung und verursacht darüber hinaus nicht wenige grammatische Probleme, wenn das Sternchen oder gar die ganze Endung weggelassen wird

Ausführlich und sehr anschaulich führt die GfdS den Beweis, wie unsinnig in der deutschen Sprache die Verwendung dieses Sternchens ist. Die Kultusministerin sieht dies offensichtlich anders und sieht die Rechtschreibung bei Lehrer*innen und Schüler*innen in besseren Händen als beim Rat für deutsche Rechtschreibung.

Wenn also die kritischen Journalist*innen ihre Artikel ohne Sternchen schreiben, wenn den fleißigen Abiturient*innen demnächst an der Universität bei ihren Professor*innen z. B. Soziologie, Psychologie und Kriminologie beigebracht wird und die Landwirt*innen sich wieder einmal über die schlechte Ernte beklagen, spätestens dann müsste auch den Genderasteriskusvertreter*innen und Kultusminister*innen klar werden, dass eine Sprache mit einem Deklinationssystem und flektierten Formen sich nicht einfach mal um ein Sternchen „bereichern“ lässt, weil es eben die kritischen Journalist, den fleißigen Abiturient, die Professor und die Landwirt nicht gibt.
Der Vorschlag der Frau Ministerin ist auf jeden Fall ein richtiger Schwab*innenstreich und man möchte ihr und allen Asteriskusfreund*innen zurufen: Gute Nacht, liebe Freund*innen ! Oder doch besser: Per aspera ad astra? Soll man doch die Hoffnung nie aufgeben.


Eigentlich war und ist der Asteriskus ein Anmerkungszeichen, ein Fußnotenzeichen für eine Quellenangabe oder Bemerkung. Aus der Vorrede zu Hafis‘ Diwan von Joseph von Hammer-Purgstall sei dies hier anschaulich belegt:

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Gemeinderatssitzung vom 21. 06. 2021 / TOP 1 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlicher Sitzung

Die alte Leier, das alte Lied!
Einmal mehr erfahren Ostrachs Bürger nicht, was der Gemeinderat am 07. 06 2021 in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen hat. Deshalb diese Mail vom 30. 06. 2021 an den Vorsitzenden des Gemeinderates und Leiter der Verwaltung:

Sehr geehrter Herr Schulz,
in der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 21. 06. 2021 seht unter TOP 1 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlicher Sitzung.
Im sog. Protokoll der Gemeinderatssitzung auf der Homepage der Gemeinde Ostrach werden diese Beschlüsse nicht veröffentlicht.
Ich habe Ihnen per Mail am 26. Februar 2021 diesbezüglich bereits schon einmal Folgendes mitgeteilt: „Diese Beschlüsse sind nach § 35 GemO der Öffentlichkeit mitzuteilen. Sie sind nach § 41b, Absatz 5 GemO auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Es handelt sich hier um Beschlüsse, die laut Tagesordnung in der Gemeinderatssitzung bekanntgegeben wurden und somit zu veröffentlichen sind.“
Wenn ich einmal davon ausgehe, dass diese Beschlüsse sich nicht auf der Homepage unter Aktuelle Meldungen zwischen Corona-Testzentrum in Ostrach und Impftermine für Hohentengen verstecken, sind sie entgegen der Gemeindeordnung nicht veröffentlicht worden. Dies geht so nicht!
Sollte entgegen der Tagesordnung keine Bekanntgabe der Beschlüsse erfolgt sein, weil in der nichtöffentlichen Sitzung keine Beschlüsse gefasst wurden, ist dies etwas anderes. Davon kann ich allerdings nicht ausgehen.
Mit durchaus „heißem Bemühn“ verfolge ich unverdrossen Ostrachs Kommunalpolitik, „fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel“, muss aber eingestehen, dass mir bei der Missachtung solcher Selbstverständlichkeiten „alle (kommunalpolitische) Freud‘ entrissen“ ist. Einen Pakt mit dem Teufel werde ich deshalb aber nicht eingehen, wenn auch ein gewisses höllisches Feuer unter dem Hintern vielen Gemeinderäten, manchem Verwaltungsfachmann und mancher Verwaltungsfachfrau guttäte. Dafür aber Herr Bürgermeister sind Sie zuständig.
Mit freundlichem Gruß
Franz Schreijäg

Eine berichtigte Fassung des „Protokolls“ auf die Homepage hochzuladen, scheint allerdings ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Gemeindeordnung für Baden-Württemberg § 35 Öffentlichkeit der Sitzungen
(1) Die Sitzungen des Gemeinderats sind öffentlich. Nichtöffentlich darf nur verhandelt werden, wenn es das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner erfordern; über Gegenstände, bei denen diese Voraussetzungen vorliegen, muss nichtöffentlich verhandelt werden. Über Anträge aus der Mitte des Gemeinderats, einen Verhandlungsgegenstand entgegen der Tagesordnung in öffentlicher oder nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln, wird in nichtöffentlicher Sitzung beraten und entschieden. In nichtöffentlicher Sitzung nach Satz 2 gefasste Beschlüsse sind nach Wiederherstellung der Öffentlichkeit oder, wenn dies ungeeignet ist, in der nächsten öffentlichen Sitzung im Wortlaut bekannt zu geben, soweit nicht das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner entgegenstehen.
GemO § 41b Veröffentlichung von Informationen

(5) Die in öffentlicher Sitzung des Gemeinderats oder des Ausschusses gefassten oder bekannt gegebenen Beschlüsse sind im Wortlaut oder in Form eines zusammenfassenden Berichts innerhalb einer Woche nach der Sitzung auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen.

Am 07. 07 2021 erhielt ich per E-Mail die folgende Nachricht:

Sehr geehrter Herr Schreijäg,
Sie haben Recht, bei den Sitzungen im Juni ist aufgrund Vertretung während Krankheit/Urlaub ein Fehler unterlaufen. In den Sitzungen davor wurden die nichtöffentlichen Beschlüsse ja jeweils wie von Ihnen per Mail am 26.02.21 angemerkt auf der Homepage veröffentlicht. Die bekanntgegebenen nichtöffentlichen Beschlüsse wurden online nun ergänzt.
Mit freundlichen Grüßen Christoph Schulz

Eine berichtigte Fassung des „Protokolls“ auf die Homepage hochzuladen, scheint also doch nicht ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

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Presse und Sprache – Dem Volk auf das Maul sehen XVII

„Il pleure dans mon coeur / Comme il pleut sur la ville“, heißt es bei Paul Verlaine. Der Mann war noch nie in München! In München weint der Himmel nicht nur, er hat sogar einen Nervenzusammenbruch, wenn man der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni glauben soll: „Der Himmel weinte, und wenn man die Regenmenge bedachte, dann hatte der Himmel über München sogar einen Nervenzusammenbruch. Lange stand Joachim Löw am Spielfeldrand wie ein begossener Pudel.“ Deutschland gegen Ungarn, da konnte München nicht leuchten, da war kein Vogelgeschwätz und heimlicher Jubel über allen Gassen; bei diesem Vorrundenspiel der Fußball-EM durfte das Stadion nicht in Regenbogenfarben leuchten: die UEFA war dagegen. „Mon coeur a tant de peine“, heißt es am Schluss in Verlaines Gedicht.
Da lief es gegen Portugal schon besser, trotz portugiesischem Führungstreffer. „Doch anstatt aufzugeben, rollten die weißen Leibchen wie die Brandung an Portugals Atlantikküste nun unaufhörlich auf das Tor von Rui Patricio – und drehten diese Partie“ (Süddeutsche Zeitung, 20. 06. 2021). Wenn die weißen Leibchen wie die Brandung rollen, dann wird es gefährlich. Nicht so in dem Spiel gegen Frankreich. Zwar hatte Deutschland „eine Menge guter Fußballer hinter dem Ball positioniert – aber es […] fehle halt ‚ein Ochse‘ im Sturmzentrum“, bemängelte DFB-Manager Oliver Bierhoff im SZ-Interview. „Gegen Portugal lief der Ball auch in der zweiten Hälfte rund. Und anstelle eines Ochsens gab es nun plötzlich viele fleißige Kälber“, können wir der Süddeutschen Zeitung am 20. 06. 2021 entnehmen. Auch wenn dieser veterinärmedizinische Befund über ein Fußballspiel etwas befremdet, sei festgehalten, dass sowohl Ochse als auch Bär zwar starke Tiere sind, grammatikalisch aber trotzdem schwach eingestuft werden: das Horn des Ochsen und das Fell des Bären.
Etwas brutaler geht die Presse mit den Rennradfahrern um, da sind die Tiervergleiche geradezu harmlos. So z. B. bei Geraint Thomas „der auf dem Rad meist nur das Notwendigste tut und daneben in etwa so viele Emotionen versprüht wie ein Zementmischer“ (Süddeutsche Zeitung, 31. 05. 2021).
Dagegen wird Emanuel Buchmann geradezu mit Samthandschuhen angefasst: „Wieder in aussichtsreicher Position gestürzt: Emanuel Buchmann bleibt beim Giro d’Italia ein Podiumsfahrer im Konjunktiv“ (Süddeutsche Zeitung, 25. 05. 2021). Jetzt hoffen wir natürlich alle, dass Buchmann bei der Tour de France ein Podiumsfahrer im Indikativ wird.
Trotz Corona-Pandemie soll ja die Tour 2021 weitgehend ohne Beschränkungen über die Straße rollen. Ob das gut geht?

Beschränkungen und Einschränkungen gab und gibt es hingegen im Schulbetrieb, so dass Fördermaßnahmen dringend erforderlich sind. Deshalb ist „zwischen Pfingst- und Sommerferien ein Programm namens ‚Bridge the Gap‘ geplant“, und nach den Sommerferien gibt es „unter dem Titel Rückenwind ein Förderprogramm, durch das Schüler im Laufe des Jahres Defizite abbauen können“, berichtet die Schwäbische Zeitung vom 28. 05. 2021. Rückenwind? Niemals! Following wind muss das Programm heißen verbunden mit den besten Wünschen, that the wind may be always at your back, dann werden wir den Gap schon bridgen.
Aber nicht nur im Schulbetrieb wird Denglisch gesprochen, auch die Religionsgemeinschaften greifen darauf zurück. Und so wurde nach zehnjähriger Planung „der Grundstein für das Berliner ‚House of One‘ gelegt. Der Festakt markierte den Baustart für ein in dieser Form einmaliges ‚Bet- und Lehrhaus‘ von Juden, Christen und Muslimen“ (Schwäbische Zeitung, 28. 05. 2021). Ja „House of One“ ist schon eine einmalige Formulierung. Buddhisten und Hindus dürfen übrigens das Haus nicht betreten. Sie müssen in das „House of Many“.
Ob katholische Frauen wohl in das Haus dürfen? Wohl kaum. „Die Männerkirche verweigert sich. Mann und Frau sind theoretisch gleich. Dennoch werden Frauen diskriminiert“ (Süddeutsche Zeitung, 19. 05. 2021). Da sind wir aber mal alle froh, dass sie wenigstens praktisch nicht gleich sind, Mann und Frau. Weder praktisch noch theoretisch sind sie im reformierten Codex Iuris Canonici gleich. Denn eine Frau „welche die heilige Weihe zu empfangen versucht, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu“, erfahren wir aus der Süddeutsche Zeitung vom 01. 06. 2021 mit Verweis auf Ziffer 1379 § 3 des Codex Iuris Canonici. Vor dem Apostolischen Stuhl sind sie halt weder praktisch noch theoretisch gleich, die Männer und die Frauen.

Wir bleiben bei den Frauen und gehen von Rom nach Bad Saulgau, einer „Stadt in Schockstarre“, wie die Schwäbische Zeitung am 09. 06. 2021 reißerisch mitteilt. Aber seit „Dienstag gehen die Bad Saulgauerinnen und Bad Saulgauer auf die Barrikaden“, um für den Erhalt der Geburtsstation zu kämpfen. Also entweder sind die Saulgauer in Schockstarre oder sie gehen auf die Barrikaden, beides gleichzeitig können sie nicht. Auch von Bad Saulgaus Bürgermeisterin erwartet die Lokalpresse außergewöhnliche Fähigkeiten: „Sie taucht ab, rührt sich nicht, verschwindet im Nirvana … in dem Moment, wo Ungemach über Bad Saulgau hereinbricht. Sie hätte jetzt den Karren ziehen, sich auf die Hinterbeine stellen, sich an vorderster Front aufstellen müssen“ (Schwäbische Zeitung, 12. 06. 2021). Ja was soll die Gute nun tun? Karren ziehen, dabei sich auf die Hinterbeine stellen (!) und an der Front kämpfen? Dann doch lieber tauchen und meditieren, Nirwana halt.
Bleiben wir in Bad Saulgau. Alban Beikircher, der Saulgauer Virtuose, hat Wolf-Ferraris Violinkonzert auf CD eingespielt. Und was meint die Rezensentin dazu in der Schwäbischen Zeitung vom 21. Juni? „Allein der schwebende Tremolo am Beginn des Violinkonzerts und sein elegisch süßes Hauptthema, die zarte Romanze des zweiten Satzes oder der lyrisch versonnene Mittelteil des Rondos, von Beikircher mit geradezu kammermusikalischer Noblesse und betörender Adagio-Rhetorik zelebriert, hat süchtig machendes Potential […] Die wenigen Male, in denen der genialische Funke der Komposition zu verglimmen droht, werden geschickt aufgefangen …“ Der schwebende Tremolo dürfte kaum süchtig machen. Ob ein genialischer Funke auf die Rezensentin übergesprungen ist, dürfte bei dieser betörend – süßen Rezension bezweifelt werden.
Eine Aufnahme von Franz Schuberts „Winterreise“ wird in der Süddeutsche Zeitung vom 22. 06. 2021 u. a. so besprochen, um bei der Musik zu bleiben: „Nur wenn ein, das wollte Schubert so, Tenor singt, wird klar, wie sehr Gefühl und Welt des Winterreisenden zerdeppert sind. Erst recht bei Markus Schäfer. Dessen Stimme ist mühelos, sie strahlt, sie sehnsüchtelt, sie visioniert, verführt, verschattet, bricht und verzweifelt immer wieder.“ So wird Gefühl und Welt zerdeppert, auch wenn man noch so sehnsüchtelt und verschattet. Es ist zum Verzweifeln. Zefix!

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Haushalt 2021 – Haushaltsrede der Freien Wähler

Wenn menschliche Erkenntnis durch Sprache strukturiert wird, weil Sprache Voraussetzung und Bedingung des Denkens ist, so haben wir in der Haushaltsrede der Freien Wähler ein exemplarisches Beispiel dafür, wie Denken und Sprache zusammenhängen, wie Sprache Gedanken formt. „Die Sprache selbst ist das Vehikel des Denkens“, schreibt Wittgenstein in seiner Philosophischen Grammatik. In dieser Haushaltsrede, nachzulesen im Mitteilungsblatt der Gemeinde Ostrach vom 10. Juni 2021, wird sehr anschaulich, aber unfreiwillig der Beweis geführt, wie mangelndes Sprachvermögen zu einer fragwürdigen Analyse von Eindrücken führt, ja es wird überhaupt die Unfähigkeit dokumentiert, Zusammenhänge klar zu strukturieren.
Da tappt man in die Schuldenfalle, da wird die schwäbische Hausfrau bemüht, da redet das Landratsamt ein Wörtchen mit, da wird die Silcherstraße nach hinten geschoben. „Auch weiter gedacht(sic), wird bzw. muss die Hauptstraße auf den Plan kommen und auch bleiben!“, formuliert der Redner. Und weil man nicht über seine Verhältnisse leben darf, stellt der Redner sogar eine rhetorische Frage: „Aber über welche Verhältnisse leben wir den (!) in Ostrach? Das (!) wir die Flächenmäßig (!) die Größte(!) Gemeinde in der Region sind und somit auch dementsprechend viele Straßen zu unterhalten haben?“ Der Bau von Kindergartenplätzen gehöre zur Pflichtaufgabe der Gemeinde. Der Redner weiß aber nicht, ob er sie in seine Liste einreihen soll, „aber ich mach es jetzt einfach mal, um diesen Wichtigen (!) Punkt nicht zu vergessen.“ Und indem er ein weiteres Mal die schwäbische Hausfrau und deren Tugenden bemüht, verwendet er eine geradezu kühne Metapher: „Sinnbildlich müssen wir hier als Gemeinde,(!) sinnvoll, sparsam und gut wirtschaften – und noch dafür sorgen, dass das Essen trotzdem ausreichend und schmackhaft ist und die Kinder ordentlich angezogen sind.“ Guten Appetit! möchte man da dem Redner der FW, dessen Namen im Mitteilungsblatt nicht mitgeteilt wird, zurufen.
Und da „Stillstand Rückschritt“ sei, müssen „wir als Gemeinde zusammen stehen (!) und einander unterstützen!“ Aber? „Aber das bringt und(!) jetzt halt auch nicht weiter.“

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, schreibt Wittgenstein in seinem Tractatus. Bildlich könnte man hier ergänzen, dass die Welt dieses Redners der FW sehr enge Grenzen haben dürfte. Man müsste auch ergänzen, dass damit verglichen die Haushaltsreden der CDU und der SPD&Freie Bürger vor intellektueller Brillanz und tiefschürfenden Erkenntnissen geradezu strotzen.

Dies ist die zweite Haushaltsrede der FW, seit sie in Ostrachs Gemeinderat ihr Mandat wahrnehmen. In diesem Blog wurde ihr Schweigen im Rahmen der obligatorischen Haushaltsreden als Bequemlichkeit kritisiert. Dies ist ein Irrtum!

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Rauf auf S O F A oder RUNTER VOM SOFA

und ein Nachschlag, Pardon, Nachtrag über Klingelbeutel, Störche und Navigationsprobleme

Runter vom SOFA? Zweifellos eine charmante Werbung für diesen Blog. Aber wieso runter von SOFA? Gibt es dazu einen Anlass? Klar. SOFA ist nicht immer leicht zu verdauen. Kritik ist immer unangenehm – vor allem für diejenigen, die sich davon getroffen fühlen. Aber das ist nun einmal so in Demokratien. Offensichtlich hat es etwas zu tun mit Partizipationsrechten und Öffentlichkeit; nicht mit Deliberation, also konsensorientiertem Handeln, davon sind wir hier weit entfernt. Wir in Ostrach sind ja schon mal froh, wenn so ein paar Grundprinzipien funktionieren. Grundprinzipien? Z. B. die Kontrolle der Verwaltung durch den Gemeinderat. Dazu gehört auch in guter parlamentarischer Tradition die Stellungnahme der Gemeinderatsfraktionen zum Haushalt der Gemeinde. Haushaltsdebatte nennt man so etwas. In parlamentarisch-repräsentativen Demokratien ist das das „Highlight“ schlechthin. In Ostrach? Das „Darklight“. Bis auf die Stellungnahme der CDU wurde bis heute keine Rede der beiden anderen Parteien zu Ostrachs Haushalt im Amtsblatt veröffentlicht. Wahrscheinlich bleibt es dabei. „Wir müssen dringend darauf achten, dass das Prinzip der Öffentlichkeit und Transparenz bei uns wieder höchste Beachtung erfährt“, hat mal ein Gemeinderat der SPD gedröhnt. Phrasen nennt man so etwas, leere, hohle Sonntagsreden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir alle gemeinsam unseren Beitrag leisten, um die Misere hinter uns zu lassen“, lautet das Resümee des Fraktionssprechers der CDU zum Haushalt. Wenn diese Erkenntnis mal kein Grund für eine Auszeit ist!
„Natürlich werden Beschlüsse und Ergebnisse der Gemeinderatsitzungen veröffentlicht“, hat vor gut einem Jahr der Fraktionssprecher der SPD im Gemeinderat behauptet.

Sehr geehrter Herr Schulz,
in der Gemeinderatssitzung vom 15. 02. 2021 ist als erster Tagesordnungspunkt die Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlicher Sitzung aufgeführt. Diese Beschlüsse sind nach § 35 GemO der Öffentlichkeit mitzuteilen. Sie sind nach §41b, Absatz 5 GemO auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Es handelt sich hier um Beschlüsse, die laut Tagesordnung in der Gemeinderatssitzung bekanntgegeben wurden und somit zu veröffentlichen sind. Dies ist nicht das erste Mal, dass bei der Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlicher Sitzung eine Veröffentlichung nicht erfolgt“
, schrieb SOFA am 26. Februar 2021 an den Leiter der Verwaltung.

So „natürlich“ ist in Ostrach die Veröffentlichung der Beschlüsse der Gemeinderatssitzungen, dass der Bürger ihre Veröffentlichung anmahnen muss. Und da in Ostrach zwischenzeitlich die Tendenz besteht, immer mehr Tagesordnungspunkte nichtöffentlich zu verhandeln, ist es wichtig, diesen schleichenden Prozess kritisch zu beobachten und zu verhindern. Vorher gibt es keine Auszeit, da bleiben wir noch auf SOFA.

Die Auszeit allerdings, die auffordert, eine Auszeit zu nehmen und runter vom Sofa zu kommen, meint natürlich nicht, man brauche eine Auszeit, weil SOFA, also Schönes Ostrach Für Alle, so kompliziert schreibe, sondern die Auszeit ist der Ansicht, dass in diesen Zeiten der Corona-Pandemie bei sinkenden Inzidenzwerten es jetzt höchste Zeit ist, wieder eine Auszeit in der Auszeit … na, Sie wissen schon, was gemeint ist. Und jetzt können Sie runter vom Sofa.

Nachtrag und Berichtigung:

Im Mitteilungsblatt der Gemeinde vom 3. Juni ist inzwischen die Haushaltsrede des Fraktionssprechers der SPD&Freie Bürger erschienen, reich an Metaphern zur Veranschaulichung der finanziellen Situation der Gemeinde: „Es knirscht laut vernehmbar an Deck, aber auch im Maschinenraum des Gemeindedampfers.“ Auch seien die Gemeinderäte mehr damit beschäftigt gewesen, „das Gleichgewicht zu halten, als die kommunalpolitischen Koordinaten der Navigation zu bestimmen.“ Diese seemännische Metaphorik – wer kennt nicht das Staatsschiff mit schlingerndem Kurs – wird nur noch getoppt, wenn es um die finanzielle Situation der Gemeinde geht. Hier müssen Kirche und Storch herhalten: „Der Blick auf unseren Haushalt erscheint so deprimierend wie das Forschen in der leeren Tiefe eines Klingelbeutels, der unter den Störchen herumgereicht wurde.“ Über Störche in Ostrach war in diesem Blog schon mehrmals die Rede. Neu ist allerdings das Bild vom Storch, der in die leeren Tiefen eines Klingelbeutels blickt. Unter emblematischen Aspekten gewiss eine Bereicherung, kommt doch der Redner nach diesem Bild am Schluss seiner Ausführungen, quasi in Form einer Subscriptio, zu der lehrhaften Sentenz, dass Verstehen die Grundlage kommunalpolitischen Handelns sei. Und was müssen wir verstehen? „Wir müssen Wesentliches von weniger Wichtigem unterscheiden und trennen. Wir müssen Bewährtes erhalten und für Neues offen sein können.“ Na dann.

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Nitrat im Ostracher Trinkwasser oder über die Leichtigkeit Halbwahrheiten zu verbreiten

Eure Rede aber sei: Ja! Ja! Nein! Nein! (Matthäus 5,37)

Nitrat im Ostracher Trinkwasser? Darüber berichtet der Arbeitskreis Natur und Umwelt von WIR SIND OSTRACH im Mitteilungsblatt der Gemeinde vom 20. Mai 2021 (S. 12) und geht dabei angeblich dem Problem auf die Spur. Stimmt allerding nicht ganz. Er verliert zwischenzeitlich die Spur und geht einer Mitteilung des Bauhofleiters auf den Leim.
„Die Werte werden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht“, ist in dem Bericht des Arbeitskreises zu lesen. Diese Information des Bauhofleiters im Rahmen einer „höchst aufschlussreichen Führung“ ist allerdings mehr als aufschlussreich. Sie ist schlicht falsch!

Unter der Kategorie Nitratwerte kann man auf diesem Blog unschwer erkennen und überprüfen, dass seit über zwei Jahren (seit 02. 08. 2018) die Gemeinde Ostrach aufgefordert wurde, die Nitratwerte zu veröffentlichen, weil der Bauhofleiter und die zuständigen Mitarbeiter dieser Aufgabe nicht nachkamen.
Das Prozedere ist und war über den gesamten Zeitraum stets das Gleiche: Schreiben an den Bürgermeister mit der Aufforderung gemäß dem Umweltinformationsgesetz dafür zu sorgen, dass die Nitrate des Rohwassers auf der Homepage und im Amtsblatt veröffentlicht werden; an den Bauhofleiter wurden diese Aufforderungen weitergeleitet. Mehr als einmal bekam ich im Anschluss an diese Aufforderungen von einer Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung einen Anruf, in dem sie sich für die erheblichen Verzögerungen entschuldigte, verknüpft mit dem Hinweis, sie könne nur die Daten auf die Homepage hochladen, die ihr auch zur Verfügung gestellt würden.
Die Behauptung, die Werte würden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht, ist somit definitiv falsch. Die Veröffentlichung erfolgte unregelmäßig und nicht immer im Amtsblatt. Sie erfolgte in der Mehrzahl der Fälle nur nach vorheriger Aufforderung.
Es ist in diesem Zusammenhang mehr als befremdlich, dass Mitarbeiter des Arbeitskreises Natur und Umwelt wider besseres Wissen diese falsche Information in ihrem Bericht unkommentiert weitergeben. Wider besseres Wissen, weil der Sprecher des Arbeitskreises sowohl schriftlich als auch fernmündlich über den Sachverhalt umfassend informiert wurde.

Dass der Arbeitskreis Natur und Umwelt sich in Ostrach um die Biodiversität kümmert, ist lobenswert; wobei kritischere Töne durchaus angemessen wären. Nicht angemessen ist hingegen die kritiklose Verbreitung von Halb- und Unwahrheiten.

„Herr Menner erklärte, dass das Trinkwasser zu 2/3 aus der Quelle Fohrenstock bei Rosna und zu 1/3 aus der Quelle in Jettkofen stammen. Diese beiden Quellen haben bekanntermaßen einen sehr niedrigen Nitratwert“(Mitteilungsblatt vom 20. 05. 2021).

Und was meint das Bundesumweltamt?
Welche Grenzwerte gibt es für Nitrat? Folgende Werte sind gesetzlich festgelegt:
Die in der EU-Grundwasserrichtlinie 2006/118/EG (GWRL) für Grundwasser europaweit einheitlich festgelegte Qualitätsnorm von 50 mg Nitrat je Liter wurde in der deutschen Grundwasserverordnung (GrwV) als Schwellenwert in derselben Höhe (50 mg Nitrat je Liter) verankert. Die Rechtsfolgen sind trotz der unterschiedlichen Begrifflichkeiten identisch: Wenn der Wert im Grundwasser überschritten wird, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge einzuleiten. Außerdem legen sowohl die GRWL als auch die GrwV fest, dass bei festgestellten steigenden Schadstofftrends bereits bei Erreichen von drei Vierteln des Schwellenwertes (also bei 37,5 mg Nitrat pro Liter) Gegenmaßnahmen (also eine Trendumkehr) einzuleiten sind.

Das kann nun jeder anhand der Tabelle überprüfen!
(q. e. d.)

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Presse und Sprache – Dem Volk auf das Maul sehen XVI

„Im wunderschönen Monat Mai, / Als alle Knospen sprangen, / Da ist in meinem Herzen / Die Liebe aufgegangen“, dichtet Heinrich Heine. Bei den Wirten am Bodensee trifft das allerdings nicht zu; die befürchten nämlich im wunderschönen Monat Mai das totale Chaos. „Wirte am Bodensee befürchten Chaos“, schreibt SWR Aktuell am 15. 05. 2021 und zitiert den Vorsitzenden des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands: „Wenn’s blöd läuft, gibt das ein totales Chaos. Dann hat man genau das, was man nicht wollte: viele Menschen am gleichen Ort.“ Dem Mann kann geholfen werden, möchte man da weiterdichten. Bleiben wir halt im wunderschönen Monat Mai daheim, dann gibt es kein totales Chaos. Aber das wäre den Wirten und dem Dehoga-Vorsitzenden auch wieder nicht recht.
Über die wirtschaftlichen Folgen und die Beschlüsse der Regierung berichten natürlich auch unsere Zeitungen „zeitnah“ und umfassend. „Neben des harten Oster-Lockdowns sehen die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern auch eine allgemeine Verlängerung des bisherigen Lockdowns bis zum 18. April vor“, schreibt die Schwäbische Zeitung am 24. 03. 2021 und meint eigentlich neben dem harten Oster-Lockdown; aber wenn man hartnäckig den Genitiv verwendet, wird er sich irgendwann schon noch durchsetzen – auch im Schwäbischen. Dankenswerterweise erkundigt sich die Schwäbische Zeitung auch nach der Infektionslage in den Betrieben, wie man der folgenden Meldung entnehmen kann: „Die Schwäbische Zeitung hat bei dreien der größten Betriebe in der Stadt nachgefragt, wie die Infektionslage ist“ (Schwäbische Zeitung, 24. 03. 2021). Da muss es sich bei den Betrieben wohl um eine Gruppe handeln, sonst hätte die Zeitung ja bei drei der größten Betriebe nachgefragt. „Sie fassten sich an den Händen und gingen immer zu dreien (je drei und drei) die Treppe hinauf“, klärt uns der Duden unter dem Stichwort Numerale auf. Aber sie müssen sich ja nicht gerade an den Händen fassen, die drei Betriebe.

Wer sich sicher auch nicht so gern an den Händen fasst, dürften die Herren Laschet und Söder sein – im Gegenteil. „Nachdem sowohl Laschet als auch Söder am Sonntag erklärt haben, als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen gehen zu wollen, liegt nun das Duell offen auf dem Tisch“, schreibt die Süddeutsche Zeitung am 12. 04. 2021. Wie ein Duell allerdings offen auf dem Tisch liegen soll, ist das Geheimnis der Süddeutschen, zumal man sich ja auf dem Tisch eigentlich nicht so richtig duellieren kann. Die eigentliche Entscheidung wird ja auch nicht auf dem Tisch getroffen, sondern am Wahltag. Das sieht die Schwäbische auch so: „Es scheint deshalb reichlich unterkomplex, CSU-Chef Markus Söder für den besseren Bewerber zu halten, nur weil er gerade jedermanns Darling zu sein scheint. Die Frage muss lauten: Wird er es auch noch am Wahltag sein?“ (Schwäbische Zeitung, 15. 04. 2021). Dass das Verhältnis der beiden Herren komplexbeladen ist, mag ja sein, dass Herr Söder nicht gerade unter Komplexen leidet, ist offensichtlich, was allerdings unterkomplex ist, das weiß nur die Schwäbische Zeitung.
Wer auch nicht gerade unter Komplexen leidet, dürfte sicher Österreichs junger Kanzler Sebastian Kurz sein. Der muss gerade vor dem Ibiza-Ausschuss Rede und Antwort stehen. Sieht nicht gut aus für ihn. Aber er ist ja streitbar und kann schon immer gut argumentieren, gerade in Corona-Zeiten. „Es sei ja durchaus argumentierbar, so Kurz weiter, dass es Quarantäne-Regeln brauche, wenn auf der einen Seite der Grenze die Ansteckungen 10- oder 20-Mal so hoch seien wie auf der anderen Seite der Grenze“, wird er in der Schwäbische Zeitung vom 12. 05. 2021 zitiert. Argumentierbar? Klar doch! Wenn eine Firma Waren herstellt, die sie „zeitnah“ liefern kann, handelt es sich um lieferbare Waren. Wenn Sebastian Kurz Argumente z. B. vor dem Ibiza-Ausschuss liefert, handelt es sich um argumentierbare Argumente. Alles klar?

Zwei Mal wurde jetzt in dieser Kolumne das Wort „zeitnah“ verwendet. Aber nicht nur hier. In Ostrach z. B. erwartet der Ortsbaumeister „keine zeitnahen größeren Schäden, wenn die Maßnahme verschoben wird […] da bislang ohnehin nur eine Maßnahme zeitnah ansteht, für welche die geringere Summe ausreicht“ (Schwäbische Zeitung, 05. 05. 2021). Business Bullshit nennt das der Duden-Newsletter und verweist auf ein Buch mit dem Titel Managerdeutsch in 100 Blasen und Phrasen. „Die Wirtschaft versorgt uns nicht nur mit Gütern und Dienstleistungen, sondern auch mit Begriffen und Phrasen, von denen viele mittlerweile im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen sind: von adressieren bis zeitnah, Compliance bis Wording.“ Es wäre besser, manch einer würde die Dinge zeitfern erledigen, es käme weniger Bullshit dabei heraus.

Dante Alighieri wird gerade in Italien gefeiert, 700 Jahre Dante. Der Journalist Arno Widmann hat dazu einen Artikel über Dante in der Frankfurter Rundschau geschrieben, den die italienische Zeitung La Republicca wohl missverstanden hat, was die Süddeutsche Zeitung so kommentiert: „Hände weg von Dante. Irgendwie fiel die Widmann’sche Verortung Dantes der linksliberalen römischen Zeitung La Repubblica auf. Und die machte, was normalerweise Blätter und Politiker aus dem eher ressentimentgetriebenen, rechtspopulistischen Biotop machen: Sie zwirnte daraus eine latent antideutsche Reflexgeschichte mit dem catchy Titel: Dante, der unglaubliche Angriff einer deutschen Zeitung“ (Süddeutsche Zeitung, 30. 03. 2021). Dantes Hauptwerk ist die „Göttliche Komödie“ (La divina commedia). Seine Reise beginnt in der Hölle (Inferno). In diesem Höllen-Biotop hat er allerdings keine Reflexgeschichte mit einem catchy Titel gezwirnt, sonst hätte ihn nämlich sein Begleiter Vergil sofort verlassen und Dante würde bis heute dort schmoren.

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Gewerbegebiet Königsegg zum Ersten, zum Zweiten und … zum Letzten

„Mit 450 000 Euro ist im Haushalt Grunderwerb für die Erweiterung des Gewerbegebiets „Königsegg“ vorgesehen, eine erste Rate von 100 000 Euro für die Erschließung. Da laut Bürgermeister Christoph Schulz gerade Kaufverhandlungen laufen, bat er darum, diese Posten unverändert zu lassen. Das Vorgehen bereitete Jörg Schmitt (SPD/FB) Unbehagen […] Schmitt erinnerte daran, dass das Gewerbegebiet von Beginn an umstritten war und es für die Anwohner die Zusage gibt, dass es kein Gewerbe gegenüber der Wohnbebauung geben wird. ‚Wenn wir bei der Entscheidung bleiben, kann ich mir den Umriss des Gebiets ungefähr vorstellen und bin mit dem Vorgehen einverstanden‘, sagte Schmitt. Schulz sicherte zu, dass im zweiten Abschnitt kein Gewerbe an die Wohnbebauung anschließen werde.“
Soweit die Schwäbische Zeitung vom 05. 05. 2021 in ihrem Bericht über die Gemeinderatssitzung vom 3. Mai, eine Sitzung, in der es um den Haushaltsplan 2021 ging, der sich vor allem dadurch auszeichne, dass die Kreditaufnahme zu hoch sei, was Ostrachs Gemeinderat nicht hindert, über eine Million für ein neues Gewerbegebiet auszugeben- vorerst.

Ich was sô volle scheltens daz mîn âten stanc, dichtet Walther von der Vogelweide. Man möchte sich Walther anschließen, wenn es um das Gezerre und die Lügen um das Gewerbegebiet Königsegg I und Königsegg II geht. Dem Fraktionssprecher der SPD bereitet etwas Unbehagen, und im darauffolgenden Satz löst sich das Unbehagen in Wohlwollen und Zustimmung auf.

Ein kleiner Rückblick gefällig?
Schon am 3. September 2018 haben Ostrachs Gemeinderäte für die Erweiterung des Gewerbegebietes um 5 ha Fördermittel im Rahmen des ELR-Förderprogramms beantragt. So neu ist das also nicht, und der Herr Fraktionssprecher dürfte  seit über zwei Jahren wissen, wie der Umriss des Gebietes aussehen wird.

Dies wurde am 12. September 2018 in diesem Blog kommentiert mit angefügtem Leserbrief an die Schwäbische Zeitung : https://schoenesostrach.wordpress.com/2018/09/12/gewerbegebiet-koenigsegg-soll-erweitert-werden/

Am 29. September 2018 konnte man lesen, was Ostrachs Gemeinderat unter Zusagen an die Bürger versteht. Wir versichern euch, es bleibt schweren Herzens bei dem ausgewiesenen Gewerbegebiet Königsegg I. Eine Erweiterung wird es nicht geben. Umgangssprachlich formuliert: Versprochen-gebrochen! Und der Fraktionssprecher der SPD war auch schon damals mit dem Vorgehen einverstanden.

Vorbehaltlos konnte man als Bürger somit zur Kenntnis nehmen, dass der Gemeinderat der Gemeinde Ostrach einem Flächennutzungsplan bis zum Jahre 2025 zugestimmt hat. Zur Erinnerung: „Ich denke, das ist ein Kompromiss, mit dem wir gut leben können. Wir kommen der Bürgerinitiative ein Stück weit entgegen.“ So der Fraktionsvorsitzende der CDU, Sigmund Bauknecht, am 02. 12. 2013 zur Schwäbischen Zeitung. „Aber es sind wohl die meisten weder mit dem Flächennutzungsplan noch mit dem Gewerbegebiet in der Altshauser Straße hundertprozentig zufrieden“. So Siegried Uhl, FW, zur Schwäbischen Zeitung am 10. 02. 2014. Und heute? Bedenkenlos und ohne Skrupel setzen Bürgermeister und Gemeinderat sich über ihre Zusagen an die Bürger und über ihre Beschlüsse vom Februar 2014 hinweg. Das Vertrauen der Bürger in ihre Beschlüsse und Abstimmungen konterkarieren sie dergestalt, dass sie das aus dem ursprünglichen, aber verworfenen Flächennutzungsplan geplante Gewerbegebiet von 3,2 Hektar auf 5 Hektar erweitern wollen, und das vorbehaltlos.
https://schoenesostrach.wordpress.com/2018/09/29/bedingungslose-kapitulation-des-ostracher-gemeinderats-vor-investoren/

Am 19. Juli 2019 wurde dann die Katze endgültig aus dem Sack gelassen. Im neuen Regionalplan wird das Gebiet auf 22 ha erweitert. Daran hat sich in der umstrittenen aktuellen zweiten Offenlegung nichts geändert.

https://schoenesostrach.wordpress.com/2019/07/19/gewerbegebiet-koenigsegg-umfasst-22-ha-im-neuen-regionalplan/

So konnte Ostrachs Immobilienportal BAUPILOT ungeniert das Gewerbegebiet Königsegg II anpreisen, für das es weder einen Flächennutzungsplan noch einen Bebauungsplan gab und gibt. Am 7. Februar 2020 wurde dies hier ausführlich kommentiert: https://schoenesostrach.wordpress.com/2020/02/07/baupilot-oder-bruchpilot/

Hätte das ganze Verfahren jemandem tatsächlich Unbehagen bereitet, hätte er sich wohl die vergangenen zweieinhalb Jahre anders verhalten, er und die andren Gemeinderäte. Bauchschmerzen haben sie alle auf jeden Fall nie gehabt.
„Ich war so voller Schelte, dass mein Atem stank“, meinte Walther damals vor über 800 Jahren. Der Unterschied? Walther hat sein Lehen gekriegt. Die Anrainer an der Altshauser Straße kriegen noch ein Gewerbegebiet vor die Nase gesetzt. Aber nicht nur sie!
Und Ostrachs Bürgermeister und Gemeinderäte? Sind richtig sparsam. Für Grunderwerb und Erschließung des neuen Gewerbegebietes geben sie 2021 nur 550.000 € aus und von ursprünglich 1 Mio. für die Erschließung im Jahre 2022 haben sie sich durchgerungen, lediglich eine halbe Million auszugeben; macht aber immer noch 1 050 000 €. Für Industrie und Gewerbe tun wir halt alles. Und wenn wir auch kein Geld in der Gemeindekasse haben, Flächen können wir immer versiegeln. Die wachsen doch nach wie die Äpfel auf den Bäumen.

Zu guter Letzt, also zum Abschluss dieses abgefeimten Verfahrens, wird der Schreiber dieser Zeilen das Gewerbegebiet Königsegg in diesem Blog ad acta legen. Kann ja sein, dass es in Ostrach Berufenere gibt, die sich weiter damit auseinandersetzen wollen.

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Haushaltsplan 2021 zwischen Wut und Empörung

Ein geharnischtes Schreiben löst sich in Wohlgefallen auf.
Oder etwa in Luft? Nicht ganz.

Immer wenn es um Geld geht, ist höchste Vorsicht geboten. „Nach Golde drängt, / Am Golde hängt / Doch alles! Ach wir Armen!“ oder „Hat man nicht auch Gold beineben, / Kann man nicht ganz glücklich sein.“ Faust oder Fidelio, man sieht, es war schon immer wichtig. Und deshalb hat der Schreiber dieser Zeilen, Schwabe versteht sich, ein kritisches Auge darauf, was denn im Haushalt der Gemeinde so geplant ist. Und nachdem Ostrachs Kämmerei von Fall zu Fall Sechsstelliges übersieht, ist höchste Aufmerksamkeit geboten, denn die Lobbyvereinigung – Pardon, der Gemeinderat- stimmt allem zu.
Nicht nur zum Schmunzeln deshalb ein kleiner Briefwechsel oder besser E-Mailwechsel mit Ostrachs Bürgermeister.
Zuerst das geharnischte Schreiben:

Samstag, 1. Mai 2021 13:29
Sehr geehrter Herr Schulz,
in der Gemeinderatssitzung am 3. Mai wird unter TOP 3 der Haushaltsplan 2021 mit Diskussion aufgeführt.
Ich habe Sie im Zusammenhang mit der Gemeinderatssitzung vom 12. April (TOP 4. Haushaltsplan und Wirtschaftspläne 2021-Einbringung) um Auskunft gebeten, ob dieser Haushaltsplan den Gemeinderäten vorliege und weshalb trotz früherer Aussagen von Ihnen bereits eine Diskussion über diesen Entwurf stattfinde. Sie haben meinen Einwand dahingehend berichtigt, dass es sich hier lediglich um kurze Erläuterungen handle. Am 16. 04. haben Sie mir u. a. folgende Mitteilung geschrieben: „Ich habe diese Woche die Kämmerei gebeten, den Entwurf öff. online zu stellen, das wird sehr zeitnah erfolgen“. Inzwischen sind zwei Wochen verstrichen. Eine Veröffentlichung des Haushaltsplanes 2021 ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfolgt.
Zur Erinnerung: „Die der Tagesordnung beigefügten Beratungsunterlagen für öffentliche Sitzungen sind auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen, nachdem sie den Mitgliedern des Gemeinderats zugegangen sind“ (GemO §41b Abs.2 Satz2). Dies gilt auch für die Gemeinde Ostrach. Die Kommunalaufsicht hat Sie zweimal unmissverständlich aufgefordert, die Gemeindeordnung in diesem Zusammenhang einzuhalten.
Wenn am 3. Mai Ostrachs Gemeinderat den Haushaltsplan diskutiert, kann ich wohl davon ausgehen, dass die Gemeinderäte die Unterlagen nicht erst am Morgen des 3. Mai bekommen, sondern wesentlich früher, wenn ich einmal unterstelle, dass sie sich intensiv auf diese Sitzung vorzubereiten haben. Die Gemeindeordnung versteht unter „zeitnah“, dass die Unterlagen zu veröffentlichen sind, “nachdem sie den Mitgliedern des Gemeinderats zugegangen sind.“ Zeitnah bedeutet im Deutschen schnell und umgehend. Eine umgehende Veröffentlichung ist trotz GemO §41b Abs.2 Satz2 nicht erfolgt.
Sehr geehrter Herr Schulz, ich darf wohl noch davon ausgehen, dass die Anordnungen des Leiters der Verwaltung „zeitnah“ von den Mitarbeitern, hier dem Kämmerer, umgesetzt werden. Ich gehe aber auf jeden Fall davon aus, dass Sie die Gemeindeordnung einzuhalten haben und somit die Veröffentlichung von Informationen nach GemO §41b „voll umfänglich“ zu erfolgen hat.
Mit freundlichem Gruß
Schreijäg

Es ist unschwer zu erkennen, dass der Schreiber dieser E-Mail zunächst zornig ist. Als er die folgende Mail erhält, weicht der Zorn dem Erstaunen:

Montag, 3. Mai 2021 08:49
Sehr geehrter Herr Schreijäg,
die Unterlagen sind unter Bürgerservice – aktuelle Meldungen auf der zweiten Seite seit 15.4. veröffentlicht. Mit freundlichen Grüßen
C Schulz

Wo bitte befindet sich Ostrachs Haushalt? Unter Herzlich willkommen in Ostrach? Zwischen Brennholz und Corona? Zwischen Bürgerbus und Entsorgung? Nicht unter Politik und Nachrichten aus dem Gemeinderat, unter Ostrachs Ratsinformationssystem? Legen doch schließlich alle Städte und Gemeinden, alle Kreise ihre Haushaltsplanungen in ihrem Ratsinformationssystem der Öffentlichkeit zur Kenntnisnahme vor. Nicht so in Ostrach.
Darauf muss schon noch geantwortet werden. Und so erfolgt „zeitnah“ eine Mail an den Chef der Verwaltung und die im Verteiler aufgeführten Mitarbeiter folgenden Inhalts:

Montag, 3. Mai 2021 10:20
Sehr geehrter Herr Schulz,
Unterlagen für Gemeinderatssitzungen gehören ja wohl in das „Ratsinformationssystem“ und nicht unter „Aktuelle Meldungen“ zwischen Das SWR-Fernsehen war gestern in Ostrach, Antrag auf Notbetreuung ab 24.04.2021 oder Zentrale Gedenkveranstaltung für die Todesopfer in der Corona-Pandemie. Muss ich in Zukunft etwa davon ausgehen, dass ich wichtige Unterlagen für Gemeinderatssitzungen in Ostrach demnächst unter Freizeit & Tourismus auf der Speisekarte Ostracher Gastronomen zu suchen habe?
Mit freundlichem Gruß
Schreijäg
PS Ich nehme aber mit Freuden zur Kenntnis, dass sich der Haushalt 2021 der Gemeinde inzwischen auf dem Ratsinformationssystem eingefunden hat; dort wo er eigentlich hingehört.

Nimmt der Schreiber also am Schluss doch noch mit Freuden und einem freundlichen Gruß zur Kenntnis, dass der Haushalt seinen Platz gefunden hat. Ja, der Zorn ist halt nicht unbegrenzt haltbar, schreibt Enzensberger in Herrn Zetts Betrachtungen.  Aber Achtung! „Die Empörung hingegen wirke langfristig. Sie dürfe nicht auf unbedeutende Anlässe verschwendet werden“, lässt Hans Magnus Enzensberger Herrn Z sage. In Ostrachs Kommunalpolitik gibt es nicht nur unbedeutende Anlässe. Achtung!

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Störche, Störche, Störche in, um und über Ostrach

Ostrachs Bürgermeister zum Reproduktionsverhalten der Ostracher Bevölkerung und der Storchenkenner Josef Ermler zu den anatomischen Besonderheiten der Ostracher

Von Störchen in Ostrach war hier immer wieder die Rede: Vom Storchennest auf dem Rathaus, vor einem Jahr war gar von einer Storcheninvasion hier die Rede und der Peter-Huchel-Preisträger Henning Ziebritzki wurde u. a. mit seinem Gedicht über den Weißstorch vorgestellt.
Am 20. April kam die Landesschau Baden-Württemberg nach Ostrach, um im Rahmen des Wetterberichts auch über Ostrachs Störche zu berichten.
Und wenn einem zu Störchen fast gar nichts einfällt, dann zumindest die landläufige Behauptung, Störche seien Kinderbringer. „Wir stellen schon fest, dass in der Geburtenstatistik die Zahlen nach oben gehen. In Oberschwaben bringt der Storch die Kinder“, meint Ostrachs Bürgermeister Christoph Schulz (Landesschau Baden-Württemberg vom 20. 04. 2021). Und dabei geht ihm natürlich das Herz auf. Sehr viel nüchterner sieht dies der Storchenkenner und Gastwirt Josef Ermler. Ob es einen Einfluss der Störche auf die Ostracher gebe, will der Wettermoderator von ihm wissen. Die Ostracher hätten einen längeren Hals als alle anderen, das komme vom Hochgucken, meint der Storchenkenner ironisch.

Ja welche Bewandtnis hat es nun mit dem Storch? Kinderbringer oder Hans Guck-in- die- Luft? Wie wär’s mit einigen bescheidenen Überlegungen zum Storch jenseits vom Kinderbringer? Eine kleine Tour d’Horizon gefällig?
Schlecht ist es um den Storch in der Bibel bestellt: „Und diese sollt ihr verabscheuen unter den Vögeln, dass ihr sie nicht esset, denn ein Greul sind sie: …den Storch, den Reiher, den Häher mit seiner Art, den Wiedehopf und die Schwalbe“ (3. Mo 13 ff). Wer wird schon einen Storch essen! Selbst in La Fontaines Fabel vom Wolf und dem Storch (Le loup et la cigogne) beißt der Wolf dem Storch nicht den Hals ab, während der dem Wolf ein Knochenstück aus dem Hals holt. „Ne tombez jamais sous ma patte“ (Komm mir nie mehr unter meine Pfote), fährt er den hilfsbereiten Storch an.
Wer sich von Mäusen und Fröschen ernährt, den muss man natürlich „verabscheuen“. Das sieht der Fuchs in Lessings Fabel ebenfalls. Denn als er den weitgereisten Storch bittet, ihm von seinen kulinarischen Reisen zu berichten, erzählt der Storch nur von feuchten Wiesen, schmackhaften Würmern und fetten Fröschen. Wie lange er denn in Paris gewesen sei, will der zynische Fuchs dann nur noch wissen.
Man sieht, von Moses über La Fontaine zu Lessing, von der Bibel in die Fabel nimmt der Zugvogel seinen Weg. Und wenn er schon so früh im Buch Mose oder Leviticus auftaucht, kann seine christliche Allegorisierungen nicht ausbleiben. Und so sei erneut auf den Physiologus (unbedingt den Artikel aus der Kleinen Enzyklopädie des deutschen Mittelalters über den Link öffnen) hingewiesen: „Der Storch ist ein Vogel, der gar sehr sein Nest liebt. Von der Mitte nach oben hin ist er weiß, von der Mitte nach abwärts dunkelfarben. So auch unser Herr Jesus Christus: Einmal zeigt er das, was oben ist, als ein Gott für alle, dann aber was unten ist, den Menschen als ein Mensch, weder das Himmlische versäumend noch das Irdische im Stiche lassend. Aber diese Störche, siehe, wie sie beide unterwegs sind und ihre Jungen warten, und sobald das Männchen wegfliegt und Nahrung besorgt, bleibt das Weibchen sitzen und hütet sie, und wechseln miteinander ab und nie bleibt das Nest unbesetzt. Also auch du, o Mensch, der du mit Vernunft begabt bist, laß nicht Morgen noch Abend vergehen ohne Gebet, und du wirst nicht überwältigt werden vom Teufel“ (Der Physiologus. Tiere und ihre Symbolik, Artemis 1987). Selbst das Lexikon der christlichen Ikonographie weist in Band vier nachdrücklich auf die Christussymbolik, auf Himmelfahrt und Wiederkunft hin, ist unser Storch doch als wiederkehrender Zugvogel Sinnbild der Auferstehung und durch sein „regelmäßiges Kommen und Gehen zur rechten Jahreszeit zugleich ein Symbol gerechten Wandels“, weiß das Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst zu berichten. So ein christlich-allegorischer Vogel braucht natürlich auch einen Patron – und der sitzt in Avignon: Agricolus von Avignon. Wieso der gerade Schirmherr aller Störche ist, ist etwas unklar, hat er doch durch seinen Segen angeblich eine Invasion der Störche in Avignon verhindert. Also sollte das mit den Störchen in Ostrach überhandnehmen, wissen die langhalsigen Ostracher, an wen sie sich wenden können.

In Oberschwaben bringe der Storch die Kinder, meint nicht nur Ostrachs Bürgermeister. In vielen Ländern wird er als Kinderbringer betrachtet. Bildchen gibt es genug davon, Storch mit Wickelkind im Flug.
Aber es gibt auch eine andere Betrachtungsweise unseres Storchs. Wenn man das Handbuch der Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts aufschlägt, wird man erstaunt sein. Nicht der Kinderbringer, sondern der Altenpfleger ist dort in der Emblematik der Storch. „Aus Dankbarkeit füttere ich meinen alten Vater und trage ihn“ (pasco senem grata, feroque patrem), heißt es in einem Emblem in der Subscriptio. Vergeltung der Elternliebe heißt die Überschrift (Lemma) des Emblems. Das unten abgebildete Emblem zeigt den seine Eltern tragenden Storch. In der Übersetzung der Hinweis auf den „Generationenvertrag“: In der Hoffnung, dass gleicher weis / von ihnen (den Jungen) ihm widerfahre, wenn er Greis. Der Storch als Altenpfleger. Und es ist nicht das einzige Emblem, das Arthur Henkel und Albrecht Schöne in ihrem Handbuch präsentieren, in dem der Storch als Altenpfleger gezeigt wird.
Man sieht, eine vollkommen andere Betrachtung unseres Storchs, eine Betrachtung, die auch der demographischen Entwicklung in Ostrach gerecht wird. Auch Ostrach bleibt vor der „Vergreisung“ der Bevölkerung nicht verschont. Aber- in Ostrach gibt es inzwischen 40 Störche. Da kann einem vor dem Altwerden nicht bange werden.

Emblemata. Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts
Hrsg. von A. Henkel und A. Schöne, J.B.Metzler 1996

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Geheimniskrämerei um die Zehntscheuer in Ostrachs Gemeinderat

„Ich hab‘ es getragen sieben Jahr, / und ich kann es nicht tragen mehr…“ So lange ging es zwar nicht, aber schon eine erkleckliche Zeit, so lange, bis einem halt der Kragen platzt. Nie hielt es Ostrachs Verwaltung für erforderlich, die Beschlüsse aus nichtöffentlichen Sitzungen des Gemeinderats nach Bekanntgabe ebenfalls im Ratsinformationssystem und im Amtsblatt der Gemeinde der Öffentlichkeit mitzuteilen. Es bedurfte dazu einer Aufforderung an Ostrachs Bürgermeister, hier die Gemeindeordnung einzuhalten. „Die Beschlüsse sind nach § 35 GemO der Öffentlichkeit mitzuteilen. Sie sind nach §41b, Absatz 5 GemO auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Es handelt sich hier um Beschlüsse, die laut Tagesordnung in der Gemeinderatssitzung bekanntgegeben wurden und somit zu veröffentlichen sind“, lautete die E-Mail vom 26. 02. 2021 an den Chef der Verwaltung. Dass Ostrachs Gemeinderäte auf das Prinzip der Öffentlichkeit in Demokratien, auf die genaue Einhaltung der Gemeindeordnung nicht sonderlich viel Wert legen, dürfte hinreichend bekannt sein und wurde hier schon öfter thematisiert. Lediglich wenn sie Sonntagsreden halten, hört sich das so an:
– Natürlich werden Beschlüsse und Ergebnisse der Gemeinderatsitzungen veröffentlicht.
– Der Bürger hat aber das Anrecht, kommunalpolitische Entscheidungen in ihrem Entstehungsprozess zu verfolgen.
– Wir müssen dringend darauf achten, dass das Prinzip der Öffentlichkeit und Transparenz bei uns wieder höchste Beachtung erfährt
.
Am Montag haben sie das wieder vergessen! Ernst gemeint haben sie das nie.

Nun ist zwar die Mitteilung, dass in Jettkofen der öffentliche Grünstreifen „In den Mühlwiesen“ (Flst 43/7 mit 145 m²) von der Gemeinde an eine Privatperson verkauft wird, nicht gerade von politischer Brisanz.
Vollkommen anders sieht es allerdings aus, wenn die Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlicher Sitzung am 22.03.2021 in öffentlicher Sitzung am 12.04.2021 die folgende Beschlussfassung der Ostracher Gemeinderäte enthält:

Zehntscheuer
-Vorstellung Nutzungsplanung durch Immo Frank
-weiteres Vorgehen
Es wird mehrheitlich beschlossen, die Zehntscheuer in der Rentamtstraße 1/2 inklusive des kompletten Flst. 166/13 und des anteiligen Flst. 166/5 mit insgesamt 1.584 m² zu verkaufen.

In der Liste der Kulturdenkmale in Ostrach geht es nach dem Landesamt für Denkmalpflege laut Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale (Denkmalschutzgesetz – DSchG § 2) um Kulturdenkmale, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.
Die Zehntscheuer fällt unter diese Kategorie. Das Landesdenkmalamt weist in seiner Beschreibung des Amtsgebäudekomplexes in der Rentamtstraße explizit auf die Zehntscheuer hin: – Zehntscheune, massiv, verputzt, mit Stufengiebel und Wappen, bezeichnet 1595.
Zum Verkauf wurde die Zehntscheuer schon öfter angeboten, so z. B. auf Ostrachs Homepage unter der Vermarktungsgesellschaft BauPilot: Zehntscheuer Ostrach Objektnummer: 180219.268A46 Rentamtstr.,DE-88356 Ostrach 100.000,00 EUR. So geschehen u. a. im März 2019.
Nun ist der Verkauf eines denkmalgeschützten Gebäudes das eine. Dies in einer nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung hinter verschlossenen Türen abwickeln zu wollen das andere. Mehr als fragwürdig wird es allerdings dann, wenn eine sog. Nutzungsplanung des Gebäudes durch einen Immobilienhändler dem Gemeinderat präsentiert wird, ohne dass die Öffentlichkeit über den Inhalt dieser Nutzungsplanung überhaupt informiert wird.
Es gibt nach Gemeindeordnung § 35 keinen Grund, Beschlüsse über die Zehntscheuer nichtöffentlich zu fassen. Es gibt keinen Grund, die Nutzungsplanung durch ein Immobilienunternehmen nicht in vollem Umfang der Öffentlichkeit mitzuteilen. Die Sitzungen des Gemeinderats sind öffentlich. Nichtöffentlich darf nur verhandelt werden, wenn es das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner erfordern (GemO §35).
Das öffentliche Wohl ist durch den Verkauf der Zehntscheuer wohl kaum tangiert. Die Immobilienpreise in Ostrach werden durch den Verkauf der Zehntscheune kaum durch die Decke schießen. Ob die Vorstellung einer Nutzungsplanung das „berechtigte Interesse“ eines Immobilienhändlers, der zudem noch als Ortsvorsteher im Gemeinderat sitzt, so berührt, dass sie der Öffentlichkeit vorenthalten werden müsste, dürfte mehr als unwahrscheinlich sein.
Dem ganzen Verfahren haftet das berühmte „Gschmäckle“ an. Wenn man so will, nichts Neues in Ostrachs Gemeinderat.

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Corona-Schnelltest in Ostrach

Innerer Monolog eines Getesteten

Sie erhalten hiermit Ihren persönlichen Check-In Code für den PoC-Antigentest. Bitte drucken Sie dieses Dokument aus und bringen es unterschrieben zu Ihrem Testtermin mit. So können wir den Testprozess kontaktlos, effizient und schnell ermöglichen.

Und los rennt der Proband zur Goetz‘schen Apotheke, schnell, die Termine sind eng getaktet, zwei Minuten. Wie schaffen die das bloß? Aprilwetter mit Schneegestöber, also besser mit dem Auto, Schirm nicht vergessen – halt! -FFP2 – Maske ins Auto und ab geht’s. Wir führen den Test in unserem Testcenter durch. Bitte folgen Sie der Beschilderung. Aber sicher wohl. Folge ich also der Beschilderung. Der Eingang ist auf der Ostseite des Gebäudes bei der gekiesten Fläche und ist gekennzeichnet. Kies vor der Tür. Gehört sich so in Ostrach. Bitte nicht in die Apotheke gehen! Der Bitte kann man Folge leisten. Wir gehen nicht in die Apotheke. Wir folgen der Beschilderung, öffnen vorsichtig die Tür und … befinden uns im Testzentrum. Was der junge Mann wohl will? Aha, der will den persönlichen Check-In Code, diesen QR-Code, das Billett d’entrée für diese heiligen Hallen. Alles sehr spartanisch. Stühle, Bänke, wie ein aufgeräumtes Klassenzimmer. Jetzt bin ich aber sehr pünktlich, auf die Minute genau. Bin mehr oder weniger der Einzige im Moment. Oder? Mehr oder weniger halt. Hinter mir, maskiert und in gebührendem Abstand, ein weiterer Proband. Mehr nicht. Was will der freundliche junge Mann jetzt? Etwa den Personalausweis? Nein. Fieber messen mit diesem Apparat auf der Stirn. Fieberfrei geht es zielstrebig auf den Probandenstuhl. Maske ab und schon malträtiert mich eine in Schutzkleidung gehüllte Dame mit einem Wattestäbchen. Sehr freundlich die Dame, deren Gesichtszüge unter FFP2 und Gesichtsschutzvisier nur zu erahnen sind. „Es könnte sein, dass Sie jetzt niesen müssen oder dass die Augen tränen.“ Richtig. Die Augen begunnen zu tropfen, und es ist nicht November und ich fühle auch kein stärkeres Klopfen in meiner Brust, lediglich ein unangenehmes Nasenbohrgefühl. Und jetzt will sich zu Heinrich Heine auch noch Christian Morgenstern gesellen mit seinem Nasobem : „Auf seinen Nasen schreitet / einher das Nasobēm, /von seinem Kind begleitet. / Es steht noch nicht im Brehm.“ Dass so ein PoC-Antigentest solche literarischen Assoziationen hervorrufen kann.… Aber das mit dem Nasobem ist nicht einmal so an den Haaren herbeigezogen. Selten hat der Proband seine Nase so intensiv gefühlt, nicht einmal bei einem veritablen Schnupfen. Auch schreitet der so Malträtierte nicht aus dem Testzentrum, sondern geht einfach wieder durch die Türe hinaus, gänzlich unspektakulär, auf seinen Füßen, nicht ohne sich vorher versichert zu haben, dass ihm das Ergebnis dieser Nasenbohraktion auch mitgeteilt wird. „Sie werden per E-Mail benachrichtigt“, teilt mir die freundliche Dame hinter ihrer FFP2-Maske und dem Gesichtsschutzvisier mit. Na da bin ich mal gespannt. Ob das wohl klappt?
Keine Viertelstunde später:  Ihr Testergebnis zum PoC-Antigentest auf SARS-CoV-2 in der Goetz’schen Apotheke. Sie erhalten im Anhang an diese E-Mail Ihr Testergebnis zum PoC-Antigentest auf SARS-CoV-2 in deutsch, englisch und französich.  Auf Deutsch oder in Deutsch reicht mir das Testergebnis vollkommen. Anhang. Wie öffne ich diesen verdammten Anhang? Um den Inhalt des PDF anzuzeigen geben Sie das Geburtsdatum in folgender Form an… Aha. Man sollte halt so eine Mail ganz lesen und nicht gleich sinnlos losklicken. Negativ! Aber: Auch ein negatives Testergebnis stellt nur eine Momentaufnahme dar und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzmaßnahmen (Stichwort AHA+L-Formel). Ein Schnelltest senkt jedoch das Risiko, dass man ohne Corona-Symptome unwissentlich andere infiziert. Also Formeln waren nie so mein Ding… (AHA + L)2… Aber unwissentlich werde ich heute sowieso keinen mehr infizieren. Uff!

Fazit: Die Goetz’sche Apotheke und die Mitarbeiter im Testzentrum haben den Testprozess kontaktlos, effizient und schnell ermöglicht. Superklasse!

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Sofagate ist nicht Sofaostrach

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Bitte nicht verwechseln! Sofagate ist nicht Sofaostrach. Sofagate ist ein Kompositum aus Sofa und gate. Gate (engl.) steht hier für Skandal und nicht für Tor. Also Sofaskandal und nicht Sofator. Wenn auch bei dem Treffen bei Herrn Recep Tayyip Erdoğan mindestens einer ein Eigentor geschossen hat und ein anderer mit der Bezeichnung Tor mehr als höflich charakterisiert wäre. Da hat sich der italienische Ministerpräsident Mario Draghi schon klarer geäußert. Er hat Herrn Erdoğan nach dem Treffen in Istanbul mit dem EU-Ratspräsidenten Charles Michel und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlicht als Diktator bezeichnet. Unhöflicher Diktator. Diktator mit Machogehabe. Der Herr Ratspräsident wurde auf dem Sessel platziert, die Kommissionspräsidentin wurde auf dem Sofa abgestellt. Deshalb Sofagate, nicht zu verwechseln mit Sofaostrach. Käme Frau von der Leyen auf Besuch zu Sofaostrach, würde ihr selbstverständlich ein Sessel angeboten, sie bekäme mindestens einen Espresso oder Cappuccino; bliebe sie etwas länger, gäb‘ s auch noch ein Viertele. Und Herr Charles Michel? Müsste nicht aufs Sofa, bekäme auch einen Sessel, ein Mineralwasser und einen bescheidenen Hinweis. Sollte er wieder einmal ein Eigentor schießen wollen, indem er sein Verhalten zu rechtfertigen versucht, möge er sich bitte daran erinnern, dass Höflichkeit auch bei Staatsbesuchen durchaus denkbar ist, jenseits eines türkischen Protokolls.
Also bitte nicht verwechseln! Sofagate ist nicht Sofaostrach! Die „Sofagate“-Affäre ist ein Ärgernis; Sofaostrach deckt Ärgernisse auf, legt den Finger auf die Wunde. Also das kann man eigentlich gar nicht verwechseln.

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Götterdämmerung für Kretschmann

„Für Kretschmann ist dies nichts weniger als der Beginn einer Art Götterdämmerung. Seine Autorität ist beschädigt – obwohl jeder weiß, dass die Grünen das historische Wahlergebnis von 32,6 Prozent maßgeblich ihm zu verdanken haben. Doch die Partei weiß auch: Kretschmanns letzte Amtszeit bricht an. Vielleicht führt er sie ja auch gar nicht zu Ende“, schreibt Kara Ballarin im Leitartikel der Schwäbischen Zeitung vom 03. 04. 2021.

Götterdämmerung? Ragnarök oder Ragnarökr im Altnordischen, Schicksal der Götter oder Götterdämmerung, Weltende und Weltenbrand in der nordgermanischen Mythologie. „Die Sonne verlischt, / das Land sinkt ins Meer; / vom Himmel stürzen / die heiteren Sterne. / Lohe umtost / den Lebensnährer; / hohe Hitze / steigt himmelan“, heißt es in der Völuspá, der Weissagung der Seherin in der Liederedda (Codex Regius). Götterdämmerung für Kretschmann? Ein billiges Aperçu, keine geistreiche Bemerkung, bloße Effekthascherei einer Journalistin, die sich des konnotativen Wortinhalts dieses Begriffs Götterdämmerung wohl nicht im Klaren ist.
Götterdämmerung in der Edda, Götterdämmerung in Wagners Ring. „Denn der Götter Ende / dämmert nun auf: / so – werf‘ ich den Brand / in Walhalls prangende Burg“, singt Brünhilde im dritten und letzten Aufzug der Götterdämmerung. Weltende und Untergang auch hier. „Helle Flammen scheinen in dem Saale der Götter aufzuschlagen“, lautet die Regieanweisung am Schluss. Erlösungsmotiv am Ende. Vorhang fällt.
Götterdämmerung für Kretschmann? Weltende und Weltendbrand in der Villa Reitzenstein? Lächerlich! Wotan Winfried Kretschmanns letzte Amtszeit mag vielleicht anbrechen, geliefert hat er schon längst, um den flapsigen Journalistenjargon zu bemühen: „Kretschmann muss jetzt liefern.“

Und da die Journalistin ein Studium der Politikwissenschaften absolviert hat, dürften ihr die dianoetischen Tugenden in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles eigentlich nicht ganz fremd sein. Der aristotelische Begriff der Phronesis (φρόνησις), der Klugheit, ist einer davon. Dem Politiker und Ethiklehrer Kretschmann ist dies bekannt. Politik in diesem Sinne hat es zu tun mit Klugheit. Sie, die Klugheit, schlägt die Brücke von dem theoretischen, differenzierten Wissen um das Gesollte zu der konkreten Lebenssituation, die Handeln erfordert, schreibt Wolfgang Kersting (Wolfgang Kersting, Der einsichtige Staatsmann und der kluge Bürger). Wenn Politik also im aristotelischen Sinne Klugheit im weitesten Bereich ihrer Anwendung ist, ließe sich das ja von einer gebildeten Journalistin spätestens dann überprüfen, wenn der Koalitionsvertrag vorliegt. Dies wäre in einem klugen Leitartikel in der Schwäbischen Zeitung sicher zu kommentieren. Oder etwa zu liefern? Von Götterdämmerung dürfte dann hoffentlich nicht mehr die Rede sein.

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Frohe Ostern garniert mit einem Osterspaziergang und anderen abgegriffenen Zitaten

Kurt Kister, ehemaliger Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, schreibt in seiner Kolumne Deutscher Alltag vom 31. März, wenn man auf der Kommentarseite oder im Feuilleton seiner Zeitung eine Zeile aus dem „Osterspaziergang“ in Goethes „Faust“ lese, wisse man, dass die Osterwoche in die unmittelbare intellektuelle Reichweite von Autorinnen und Publizisten geraten sei. Und er fährt fort: „Leider ist es aber auch so, dass Zitate aus dem Osterspaziergang – ‚hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein‘ – so gerne verwendet werden, dass die Wirkung inflationär sein kann: Wenn man vom Guten zu viel hat, wird einem schlecht.“
Also kein „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“, auch grünet im Tal kein Hoffnungsglück, zumindest nicht in diesem österlichen Blogeintrag; soll einem doch nicht schlecht werden kurz vor Ostern. Aber an eines muss man sich schon noch erinnern: Herr Heinrich Faust wollte sich noch kurz vorher umbringen. Suizid sozusagen. Jetzt aber Spaziergang zusammen mit seinem Assistenten Wagner. Spaziergang vor dem Tor. Und nun wird die Sache richtig aktuell. „Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen /Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, /Wenn hinten, weit, in der Türkei, /Die Völker aufeinander schlagen“, meint da ein Bürger. Als ob sich nichts geändert hätte seit 1808. Und da nicht nur Faust seinen Osterspaziergang macht, sondern Spaziergänger aller Art, u. a. auch Bürger, die offensichtlich über Kommunalpolitik diskutieren, wird es schon wieder topaktuell:

„Nein, er gefällt mir nicht, der neue Burgemeister!
Nun, da er’s ist, wird er nur täglich dreister.
Und für die Stadt was tut denn er?
Wird es nicht alle Tage schlimmer?
Gehorchen soll man mehr als immer,
Und zahlen mehr als je vorher.“

Also mindestens der letzte Vers dürfte zu hundert Prozent auch auf Ostrach zutreffen! Über den Rest kann man ja geteilter Meinung sein. Bevor aber hier noch von den zwei Seelen ach! in meiner Brust geredet werden soll, Beweis dafür, dass die Osterwoche auch in meine „unmittelbare intellektuelle Reichweite“ geraten ist, sei daran erinnert, dass am Ende dieses Osterspazierganges der Teufel in Gestalt eines schwarzen Pudels „magisch leise Schlingen“ zieht. Aus denen sollte man schon irgendwie seinen Kopf ziehen. Es müsste ja mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht gelänge.
Ich hoffe, dass Ihnen bei so viel Goethe, Faust und Teufel nicht schlecht geworden ist und wünsche Ihnen allen ein frohes Osterfest.

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